Geschlechtsidentitäten von A bis Z

Von agender bis Two-Spirit: Hier bekommst du einen Überblick über die vielen Bezeichnungen für Geschlecht. Du erfährst, warum es sie gibt und warum du keine davon brauchst, um richtig zu sein.

21 Artikel

Alle Identitäten im Überblick

Trans-Pride-Flagge in Hellblau, Rosa und WeißTrans Frau

Wer trans Frauen sind, warum „trans Frau“ meist getrennt geschrieben wird und was Respekt im Alltag konkret bedeutet.

Trans-Pride-Flagge in Hellblau, Rosa und WeißTrans Mann

Wer trans Männer sind, welche Schritte viele gehen und warum Themen wie gynäkologische Vorsorge oft übersehen werden.

Transfeminin

Was transfeminin bedeutet, wer sich so nennt, wie der Begriff sich von trans Frau unterscheidet und wozu er gut ist.

Transmaskulin

Wer sich transmaskulin nennt, warum nicht jede transmaskuline Person ein Mann ist und wofür der Begriff im Alltag nützt.

Genderqueer-Flagge in Lavendel, Weiß und DunkelgrünGenderqueer

Genderqueer ist älter und politischer als nicht-binär. Was das Wort bedeutet, wer es nutzt und was die Farben der Flagge sagen.

Agender-Flagge in Schwarz, Grau, Weiß und HellgrünAgender

Agender heißt ohne Geschlecht. Was das im Alltag bedeutet, welche Pronomen passen und wofür die Farben der Flagge stehen.

Genderfluid-Flagge in Rosa, Weiß, Lila, Schwarz und BlauGenderfluid

Genderfluid heißt, das Geschlecht verändert sich mit der Zeit. Wie sich das anfühlt, was im Alltag hilft und was die Flagge bedeutet.

Genderflux

Bei genderflux schwankt die Stärke des Geschlechtsgefühls. Was das bedeutet und wo der Unterschied zu genderfluid liegt.

Bigender

Bigender heißt zwei Geschlechter, gleichzeitig oder im Wechsel. Was das bedeutet und warum es nicht immer Frau und Mann sein müssen.

Pangender und Polygender

Pangender, polygender, trigender: Was es heißt, mehrere oder viele Geschlechter zu haben, und welche Fragen dabei aufkommen.

Demigirl-Flagge in Grau, Rosa und WeißDemigirl

Demigirl heißt, sich zum Teil als Mädchen oder Frau zu erleben. Wie sich das anfühlen kann und welche Pronomen oft passen.

Demiboy-Flagge in Grau, Hellblau und WeißDemiboy

Demiboy heißt, sich teilweise als Junge oder Mann zu erleben. Wie sich das zeigt, welche Pronomen passen und wofür die Flagge steht.

Demigender

Demigender heißt, zum Teil zu einem Geschlecht zu gehören. Welche Formen es gibt und wo die Grenze zu genderflux verläuft.

Neutrois

Neutrois heißt neutral, weder weiblich noch männlich. Was hinter dem Begriff steckt und welche Rolle der Körper dabei spielt.

Androgyn

Was androgyn bedeutet, woher das Wort stammt und warum ein androgyner Look und eine androgyne Identität zwei Dinge sind.

Maverique

Maverique ist ein Geschlecht ganz eigener Art, unabhängig von Frau und Mann. Was der seltene Begriff bedeutet und wovon er sich abgrenzt.

Xenogender

Xenogender heißt, Geschlecht über Farben, Natur oder Klänge zu beschreiben. Was dahintersteckt und warum der Begriff so umstritten ist.

Gender-nonkonform

Was gender-nonkonform bedeutet, warum auch cis Menschen dazugehören und was nicht rollenkonforme Kinder brauchen.

Two-Spirit

Two-Spirit ist ein Sammelbegriff indigener Menschen Nordamerikas. Woher er kommt, was er umfasst und warum er nicht für alle gedacht ist.

Hijra

Hijra sind eine jahrhundertealte Gemeinschaft in Südasien. Wie sie lebt, was die Kolonialzeit verändert hat und wie es ihr heute geht.

Questioning

Was Questioning bedeutet, wofür das Q in LGBTQ steht und warum du beim Hinterfragen von Geschlecht oder Orientierung kein Ziel brauchst.

Warum es so viele Bezeichnungen gibt

Wer sich zum ersten Mal durch eine Liste von Geschlechtsidentitäten klickt, ist oft überrascht. Agender, demigirl, genderflux, maverique: Viele dieser Wörter sind jung, manche erst in Online-Communitys entstanden. Das weckt bei manchen Skepsis. Ist das nicht übertrieben?

Die Erfahrungen dahinter sind nicht neu. Neu ist, dass Menschen Worte dafür haben und sich austauschen können. Lange gab es im Deutschen praktisch nur Mann und Frau, und alles andere galt als Störung. Wer sich in keiner der beiden Schubladen wiederfand, blieb mit diesem Gefühl meist allein. Ein passendes Wort kann da viel verändern. Es zeigt dir, dass andere Ähnliches erleben.

Dass es so viele Bezeichnungen gibt, liegt auch daran, dass Geschlecht für Menschen sehr unterschiedlich funktioniert. Manche erleben ihr Geschlecht als fest, andere als beweglich. Manche fühlen sich einem Geschlecht teilweise zugehörig, andere gar keinem. Ein einziger Oberbegriff würde diese Unterschiede verschlucken.

Labels sind Werkzeuge, keine Pflicht

Eine Bezeichnung ist dazu da, dir zu helfen. Sie kann dir Sprache geben, dich Gemeinschaft finden lassen oder anderen erklären, wie du angesprochen werden möchtest. Sie ist kein Formular, das du korrekt ausfüllen musst, und keine Prüfung, die du bestehen musst.

Du darfst ein Label ausprobieren und wieder ablegen. Du darfst mehrere gleichzeitig nutzen, etwa trans, nicht-binär und genderqueer. Und du darfst ganz ohne Label leben. Viele Menschen sagen einfach „Ich bin ich“ und kommen damit gut zurecht. Wenn sich deine Bezeichnung im Lauf der Jahre ändert, heißt das nicht, dass du dich vorher geirrt hast. Oft hast du einfach mehr über dich gelernt.

Manche Begriffe überschneiden sich, und nicht alle Menschen verstehen unter demselben Wort genau dasselbe. Das ist kein Fehler im System. Es zeigt, dass diese Sprache von unten wächst, aus Gesprächen zwischen den Menschen, die sie brauchen, und nicht aus einem Lexikon.

Für Außenstehende gilt: Nimm die Bezeichnung, die eine Person für sich nennt. Du musst nicht jedes Wort sofort verstehen, um es zu respektieren.

Binäre trans Identitäten

Die bekanntesten Identitäten im trans Spektrum sind binär, also eindeutig Frau oder Mann. Eine trans Frau ist eine Frau, die nach der Geburt als männlich eingetragen wurde. Ein trans Mann ist ein Mann, der bei der Geburt als Mädchen eingeordnet wurde. Beide sind schlicht Frau oder Mann. Das „trans“ beschreibt ihre Geschichte, kein Geschlecht zweiter Klasse.

Daneben gibt es offenere Begriffe. Transfeminin und transmaskulin beschreiben eine Richtung, ohne festzulegen, ob sich jemand ganz als Frau oder Mann sieht. Sie werden auch von vielen nicht-binären Menschen genutzt.

Das nicht-binäre Spektrum

Unter dem Dach nicht-binär sammeln sich alle Identitäten, die nicht ausschließlich Frau oder Mann sind. Das Spektrum ist breit. Genderqueer ist einer der älteren Begriffe und betont oft das Infragestellen von Geschlechternormen. Agender Menschen haben kein Geschlecht oder empfinden Geschlecht für sich als bedeutungslos. Neutrois beschreibt ein neutrales Geschlecht.

Andere Identitäten umfassen mehrere Geschlechter: Bigender Menschen haben zwei, pangender Menschen viele oder alle. Androgyn steht für eine Mischung aus weiblich und männlich. Maverique meint ein Geschlecht, das unabhängig von Frau und Mann existiert. Und Xenogender fasst Identitäten zusammen, die sich mit herkömmlichen Geschlechterbegriffen kaum beschreiben lassen.

Wenn Geschlecht sich bewegt oder nur teilweise passt

Für manche Menschen ist Geschlecht nicht stabil. Genderfluid Menschen erleben, dass sich ihr Geschlecht über Stunden, Tage oder Monate verändert. Bei Genderflux geht es eher um die Stärke: Das Geschlechtsgefühl wird intensiver oder schwächer, manchmal bis es zeitweise ganz verschwindet.

Demi-Identitäten beschreiben eine teilweise Zugehörigkeit. Ein Demigirl fühlt sich zum Teil, aber nicht vollständig als Mädchen oder Frau, ein Demiboy entsprechend als Junge oder Mann. Diese Begriffe helfen Menschen, die sich weder ganz in einem Geschlecht noch ganz außerhalb davon sehen.

Etwas anderes ist gender-nonkonform. Das beschreibt in erster Linie Verhalten und Auftreten, also wenn jemand Geschlechterrollen nicht erfüllt. Eine cis Frau mit Kurzhaarschnitt und Anzug kann gender-nonkonform sein, ohne trans zu sein.

Kulturelle Geschlechter jenseits des Westens

Die Vorstellung von genau zwei Geschlechtern ist nicht universell. Viele Kulturen kennen seit Langem eigene Geschlechterrollen. Diese Konzepte sind keine exotische Spielart von trans. Sie haben ihre eigene Geschichte, Spiritualität und soziale Bedeutung.

Two-Spirit ist ein Sammelbegriff, den indigene Menschen Nordamerikas 1990 in Winnipeg geprägt haben. Er steht für verschiedene traditionelle Rollen in einzelnen Nationen und ist eine Selbstbezeichnung indigener Menschen. Die Hijra in Südasien sind eine Gemeinschaft mit langer Tradition. In Indien sind sie seit 2014 als drittes Geschlecht anerkannt. Weitere Beispiele aus aller Welt findest du im Artikel zur Geschlechtervielfalt weltweit.

Noch auf der Suche

Questioning heißt, dass du dein Geschlecht gerade hinterfragst. Das ist keine Zwischenstation, die du möglichst schnell hinter dich bringen musst, sondern eine eigene, berechtigte Phase. Manche bleiben lange dort, manche finden schnell eine Antwort, manche stellen am Ende fest, dass sie cis sind. Jedes dieser Ergebnisse ist gut, wenn es ehrlich ist.

Wenn du gerade sortierst, kann diese Liste helfen, Möglichkeiten zu sehen. Lies quer, achte darauf, was in dir etwas zum Klingen bringt, und nimm dir Zeit. Die Grundbegriffe dazu findest du im Bereich Grundlagen, kurze Definitionen im Glossar. Die einzelnen Artikel von A bis Z stehen oben in der Übersicht.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Gibt es eine feste Zahl an Geschlechtern?

Nein. Wie viele Geschlechter es gibt, lässt sich nicht abzählen wie die Planeten. Bezeichnungen entstehen, wenn Menschen eine Erfahrung benennen wollen, und manche verschwinden auch wieder. Einige Begriffe überschneiden sich, andere sind sehr speziell. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern dass jede Person ihr Geschlecht so beschreiben darf, wie es für sie stimmt: mit einem verbreiteten Wort, einem seltenen oder gar keinem.

Sind nicht-binäre Menschen automatisch trans?

Das hängt von der Person ab. Nach der weiten Definition gehören nicht-binäre Menschen zum trans Spektrum, weil ihr Geschlecht nicht dem bei der Geburt zugewiesenen entspricht. Viele sehen das für sich genauso. Andere sagen, sie seien nicht-binär, aber nicht trans, etwa weil sie mit dem Begriff andere Erfahrungen verbinden als ihre eigenen. Respektiere, wie sich jemand selbst einordnet.

Darf sich jede Person als Two-Spirit bezeichnen?

Nein. Two-Spirit ist an indigene Kulturen Nordamerikas gebunden und beschreibt Rollen, die in deren Gemeinschaften, Sprachen und Spiritualität verwurzelt sind. Nicht-indigene Menschen nutzen den Begriff deshalb nicht für sich. Ähnliches gilt für Hijra und andere kulturelle Geschlechter. Darüber lesen, lernen und sprechen kannst du natürlich, am besten mit Quellen aus den jeweiligen Gemeinschaften selbst.

Was mache ich, wenn ich eine Bezeichnung nicht kenne?

Frag freundlich nach, wenn der Moment passt, oder lies kurz nach. Viele Menschen erklären gern, was ein Begriff für sie bedeutet, solange die Frage neugierig und nicht spöttisch klingt. Wichtiger als die genaue Definition ist ohnehin die praktische Seite: Welcher Name und welche Pronomen sind richtig? Wenn du das weißt und dich daran hältst, hast du das Entscheidende verstanden.

Nicht allein

Du brauchst gerade jemanden zum Reden?

Wir bieten keine Beratung an. Es gibt aber Menschen, die genau dafür da sind, kostenlos und auf Wunsch anonym.