Glossar: Begriffe rund um trans und nicht-binär

Du bist über ein Wort gestolpert? Hier steht es, in zwei oder drei Sätzen erklärt. Ausführliche Artikel sind jeweils verlinkt.

Dieses Glossar ist zum schnellen Nachschlagen gedacht. Es ersetzt keine ausführliche Erklärung, hilft aber, wenn du in einem Gespräch, einem Artikel oder auf Social Media über einen Begriff stolperst. Manche Wörter werden in der Community unterschiedlich benutzt. Wo das so ist, sagen wir es dazu. Und ganz grundsätzlich gilt: Wie sich ein Mensch selbst beschreibt, ist wichtiger als jede Definition auf einer Website.

Grundbegriffe

Geschlechtsidentität
Das innere Wissen, welches Geschlecht man hat: Mann, Frau, beides, keines oder etwas anderes. Man sieht sie niemandem an und man kann sie sich nicht aussuchen. Mehr im Artikel zur Geschlechtsidentität.
Geschlechtsausdruck
Wie jemand das eigene Geschlecht nach außen zeigt, etwa über Kleidung, Frisur, Stimme oder Körpersprache. Der Ausdruck sagt nichts zuverlässig über die Identität aus. Ein Mann mit Nagellack bleibt ein Mann.
Zugewiesenes Geschlecht
Das Geschlecht, das bei der Geburt anhand des Körpers eingetragen wurde. Man spricht von „zugewiesen“, weil es eine Einordnung von außen ist und nicht die Person selbst entschieden hat.
Trans
Oberbegriff für Menschen, deren Geschlecht nicht zu dem bei der Geburt zugewiesenen passt. Wird als Adjektiv getrennt geschrieben: trans Frau, trans Person. Ausführlich im Artikel Transgender.
Cis
Das Gegenstück zu trans. Cis Menschen identifizieren sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das Wort ist keine Beleidigung, sondern eine neutrale Beschreibung. Siehe Cisgender.
Nicht-binär (non-binär, enby)
Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich als Mann oder Frau erleben. „Enby“ ist eine lockere Kurzform aus der englischen Aussprache von „NB“. Mehr unter Nicht-binär.
Inter, Intergeschlechtlichkeit
Menschen, deren Körper von Geburt an nicht eindeutig den medizinischen Normen von männlich oder weiblich entspricht, etwa bei Chromosomen, Hormonen oder Genitalien. Inter beschreibt den Körper, nicht die Identität. Siehe Intergeschlechtlichkeit.
Queer
Selbstbezeichnung und Sammelbegriff für Menschen, die nicht hetero oder nicht cis sind. Früher ein Schimpfwort, heute von vielen bewusst zurückerobert. Siehe Queer.
LGBTQIA+
Abkürzung für lesbisch, schwul (gay), bi, trans, queer, inter und asexuell bzw. aromantisch. Das Plus steht für alle, die sich in den Buchstaben nicht wiederfinden. Erklärt im Artikel LGBTQIA+.
Geschlechtsinkongruenz
Fachbegriff der WHO für die Nichtübereinstimmung zwischen erlebtem und zugewiesenem Geschlecht. Steht seit der ICD-11 im Kapitel zur sexuellen Gesundheit und gilt nicht mehr als psychische Störung.
Geschlechtsdysphorie
Der Leidensdruck, der entstehen kann, wenn Körper, Eintrag oder Behandlung durch andere nicht zum eigenen Geschlecht passen. Nicht alle trans Menschen erleben Dysphorie gleich stark. Siehe Geschlechtsdysphorie.
Geschlechtseuphorie
Das gute Gefühl, wenn man im richtigen Geschlecht gesehen wird oder sich im eigenen Körper wiedererkennt. Für viele ein hilfreicherer Kompass als die Frage nach dem Leid. Siehe Geschlechtseuphorie.
Questioning
Die Phase, in der jemand die eigene Geschlechtsidentität oder Orientierung hinterfragt. Ein völlig legitimer Zustand, der nicht in einem bestimmten Ergebnis enden muss. Siehe Questioning.

Identitäten von A bis Z

Agender
Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen oder Geschlecht für sich als bedeutungslos erleben. Ausführlich unter Agender.
Androgyn
Als Identität: ein Geschlecht, das männliche und weibliche Anteile verbindet oder dazwischen liegt. Als Stil: ein Aussehen, das sich nicht klar einordnen lässt. Beides muss nicht zusammenfallen.
Bigender
Menschen, die zwei Geschlechter haben, gleichzeitig oder im Wechsel. Oft, aber nicht immer, sind das männlich und weiblich.
Demigender, Demigirl, Demiboy
Menschen, die sich teilweise, aber nicht vollständig einem Geschlecht zugehörig fühlen. Ein Demigirl fühlt sich zum Teil als Frau oder Mädchen, ein Demiboy zum Teil als Mann oder Junge. Siehe Demigender.
Genderfluid
Das Geschlecht verändert sich über die Zeit, mal über Jahre, mal von Tag zu Tag. Siehe Genderfluid.
Genderflux
Die Intensität des Geschlechtsempfindens schwankt, zum Beispiel zwischen stark weiblich und fast agender. Ähnlich wie genderfluid, der Fokus liegt aber auf dem „wie stark“ statt auf dem „welches“.
Genderqueer
Älterer Sammelbegriff für Identitäten außerhalb von Mann und Frau, oft mit einem bewusst politischen Unterton gegen starre Geschlechterrollen. Viele nutzen ihn ähnlich wie nicht-binär.
Gender-nonkonform
Menschen, deren Aussehen oder Verhalten nicht den Erwartungen an ihr Geschlecht entspricht. Das betrifft auch cis Menschen und ist keine eigene Identität im engeren Sinn.
Hijra
Eine seit Jahrhunderten bestehende Gemeinschaft in Südasien mit eigener Kultur und eigenen Ritualen. In Indien seit 2014 rechtlich als drittes Geschlecht anerkannt. Kein Synonym für trans, sondern ein eigenes kulturelles Konzept.
Maverique
Ein Geschlecht, das unabhängig von männlich und weiblich existiert, also weder dazwischen noch eine Mischung ist, sondern etwas Eigenes.
Neutrois
Ein neutrales oder nicht vorhandenes Geschlecht. Manche neutrois Menschen wünschen sich einen Körper ohne deutliche Geschlechtsmerkmale.
Pangender, Polygender
Menschen, die mehrere oder sehr viele Geschlechter in sich erleben. Polygender meint mehrere, pangender eher eine sehr breite Vielfalt.
Trans Frau, trans Mann
Trans Frauen sind Frauen, die bei der Geburt als männlich eingetragen wurden. Trans Männer sind Männer, bei denen es andersherum lief. Viele sagen im Alltag einfach Frau oder Mann. Siehe trans Frau und trans Mann.
Transfeminin, transmaskulin
Sammelbegriffe für trans Menschen, die sich eher in Richtung weiblich (transfeminin) oder männlich (transmaskulin) verorten. Schließt binäre und nicht-binäre Personen ein.
Two-Spirit
Ein 1990 von indigenen Menschen Nordamerikas geprägter Sammelbegriff für geschlechtliche und spirituelle Rollen jenseits von Mann und Frau. Er gehört in die indigenen Kulturen und ist keine allgemeine Bezeichnung für Außenstehende.
Xenogender
Identitäten, die sich mit Begriffen außerhalb des Geschlechterrahmens beschreiben, etwa über Farben, Klänge oder Naturbilder. Vor allem eine Online-Kultur unter jungen Menschen.

Sprache und Alltag

Pronomen
Die Wörter, mit denen über eine Person gesprochen wird, im Deutschen meist er oder sie. Wer unsicher ist, fragt oder nutzt einfach den Namen. Siehe Pronomen.
Neopronomen
Neu geschaffene Pronomen wie xier, dey, sier oder en, die ohne männliche oder weibliche Zuordnung auskommen. Im Deutschen gibt es noch keinen allgemein etablierten Standard. Mehr unter Neopronomen.
Deadname
Der frühere Vorname einer trans Person, den sie nicht mehr nutzt. Ihn trotzdem zu verwenden nennt man Deadnaming. Siehe Deadname.
Misgendering
Jemanden mit falschen Pronomen oder einer falschen Geschlechtsbezeichnung ansprechen. Aus Versehen passiert das allen mal, entscheidend ist der Umgang damit. Siehe Misgendering.
Passing
Wenn Fremde eine trans Person auf Anhieb im richtigen Geschlecht wahrnehmen. Für manche wichtig für Sicherheit und Wohlbefinden, für andere kein Ziel.
Coming-out
Anderen Menschen selbst von der eigenen Identität erzählen. Meist kein einmaliges Ereignis, sondern etwas, das sich immer wieder wiederholt. Siehe Coming-out.
Outing
Wenn jemand anderes die Identität einer Person ohne deren Zustimmung weitererzählt. Kann verletzend und gefährlich sein und ist vom Coming-out klar zu unterscheiden.
Ally
Eine Person, die selbst nicht trans oder queer ist und sich trotzdem aktiv für Respekt und gleiche Rechte einsetzt. Siehe Ally sein.
Cisnormativität
Die unausgesprochene Annahme, dass alle Menschen cis sind. Zeigt sich etwa in Formularen mit nur zwei Kästchen oder in der Frage, ob jemand „vorher ein Mann war“.
Transfeindlichkeit
Ablehnung, Abwertung oder Gewalt gegenüber trans Menschen. Oft auch Transphobie genannt, wobei es meist weniger um Angst als um Abwertung geht.
Gendersternchen
Das Sternchen in Wörtern wie Lehrer*innen, das alle Geschlechter sichtbar machen soll. Daneben gibt es Doppelpunkt, Unterstrich und neutrale Formulierungen. Siehe geschlechtergerechte Sprache.

Körper und Medizin

Transition
Alle Schritte, mit denen jemand im eigenen Geschlecht lebt: sozial (Name, Pronomen, Kleidung), rechtlich (Eintrag, Dokumente) und eventuell medizinisch. Welche Schritte jemand geht, ist individuell. Siehe Transition.
Hormontherapie
Die ärztlich begleitete Gabe von Östrogen oder Testosteron, damit sich der Körper in die gewünschte Richtung verändert. Auf Englisch oft GAHT abgekürzt. Siehe Hormontherapie.
Pubertätsblocker
Medikamente, die die körperliche Pubertät vorübergehend anhalten. Sie werden bei Jugendlichen nur nach sorgfältiger Diagnostik eingesetzt und sind international umstritten. Siehe Pubertätsblocker.
Indikation
Die fachliche Feststellung, dass eine Behandlung sinnvoll und notwendig ist. Für Hormone und Operationen braucht es in Deutschland in der Regel ein Indikationsschreiben. Siehe Indikation und Begleitung.
Mastektomie, Top Surgery
Die Entfernung des Brustgewebes und die Formung einer flachen Brust, häufig bei trans Männern und manchen nicht-binären Menschen. Siehe Mastektomie.
Vaginoplastik
Operative Anlage einer Vulva und meist einer Vaginalhöhle. Ein großer Eingriff mit langer Heilungszeit. Siehe Vaginoplastik.
Phalloplastik, Metaidoioplastik
Zwei operative Wege zum Aufbau eines Penis. Bei der Phalloplastik wird Gewebe aus anderen Körperstellen verwendet, bei der Metaidoioplastik die durch Testosteron vergrößerte Klitoris.
FFS
Facial Feminization Surgery, also operative Gesichtsfeminisierung, etwa an Stirn, Kiefer oder Nase. Siehe Gesichtsfeminisierung.
Binder
Ein enges Kleidungsstück, das die Brust flacher erscheinen lässt. Falsch getragen kann es Haut, Rippen und Atmung belasten. Siehe Binder sicher tragen.
Tucking, Packing
Tucking heißt, Penis und Hoden so zu verstauen, dass im Schritt nichts auffällt. Packing heißt, etwas in die Hose zu legen, das eine Wölbung erzeugt. Beides dient dem Wohlgefühl und dem Passing.
Epilation
Dauerhafte Haarentfernung per Laser oder Nadel, für viele trans Frauen vor allem im Gesicht wichtig. Siehe Bartentfernung.
Detransition
Wenn jemand Schritte einer Transition ganz oder teilweise zurücknimmt. Die Gründe sind sehr verschieden, von Druck von außen bis zu einem veränderten Selbstverständnis. Siehe Detransition.
Leitlinie
Eine von Fachgesellschaften erarbeitete Handlungsempfehlung für Ärzt*innen. Für Erwachsene gilt in Deutschland die S3-Leitlinie von 2018, für Kinder und Jugendliche die S2k-Leitlinie von 2025.

Recht und Behörden

Selbstbestimmungsgesetz (SBGG)
Gilt in Deutschland seit dem 1. November 2024. Geschlechtseintrag und Vornamen lassen sich per Erklärung beim Standesamt ändern, ohne Gutachten und Gericht. Siehe Selbstbestimmungsgesetz.
Transsexuellengesetz (TSG)
Der Vorgänger des SBGG, in Kraft von 1981 bis 2024. Es verlangte zwei Gutachten und ein Gerichtsverfahren und wurde vom Bundesverfassungsgericht mehrfach in Teilen gekippt.
Geschlechtseintrag
Die Angabe zum Geschlecht im Geburtenregister, aus der sich die Einträge in Ausweis, Pass und anderen Dokumenten ableiten. In Deutschland möglich: männlich, weiblich, divers oder keine Angabe.
Divers
Der dritte positive Geschlechtseintrag in Deutschland, eingeführt 2018. Seit dem SBGG für alle wählbar, nicht nur für intergeschlechtliche Menschen. Siehe divers und ohne Angabe.
Keine Angabe
Der Geschlechtseintrag bleibt leer bzw. wird gestrichen. Im Reisepass erscheint dann wie bei divers ein X.
Sperrfrist
Nach einer Änderung nach dem SBGG kann der Eintrag frühestens nach einem Jahr erneut geändert werden.
Offenbarungsverbot
Früherer Name und früherer Eintrag dürfen nicht ohne Zustimmung der Person offenbart oder ausgeforscht werden. Wer das absichtlich und schädigend tut, riskiert ein Bußgeld. Siehe Offenbarungsverbot.
Ergänzungsausweis
Ein Zusatzdokument der dgti mit gewähltem Namen, Pronomen und Foto. Kein amtlicher Ausweis, aber vielerorts anerkannt und vor allem in Übergangszeiten nützlich. Siehe Ergänzungsausweis.
AGG
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt unter anderem im Job und bei Alltagsgeschäften vor Benachteiligung, auch wegen der Geschlechtsidentität. Siehe Diskriminierungsschutz.

Geschichte, Kultur und Gedenktage

Institut für Sexualwissenschaft
1919 von Magnus Hirschfeld in Berlin gegründet, weltweit eine der ersten Einrichtungen, die trans Menschen ernst nahm. 1933 von den Nationalsozialisten geplündert und zerstört. Siehe Magnus Hirschfeld.
Stonewall
Der Aufstand nach einer Polizeirazzia im Stonewall Inn in New York am 28. Juni 1969. Gilt als Startpunkt der modernen queeren Bewegung. Siehe Stonewall und CSD.
CSD
Christopher Street Day, der deutschsprachige Name für Pride-Demonstrationen. Benannt nach der Straße, in der das Stonewall Inn lag.
Trans Day of Visibility (TDoV)
Am 31. März feiert die Community trans Menschen und ihre Leistungen sichtbar und positiv. Siehe Gedenk- und Aktionstage.
Transgender Day of Remembrance (TDoR)
Am 20. November wird weltweit an trans Menschen erinnert, die durch Gewalt ums Leben kamen.
Trans-Flagge
Hellblau, Rosa und Weiß, entworfen 1999 von Monica Helms. Weitere Flaggen und ihre Bedeutung findest du unter Pride-Flaggen.
Drag
Eine Bühnen- und Kunstform, in der Geschlechterrollen übertrieben und gespielt werden. Drag ist Performance, keine Geschlechtsidentität. Siehe Drag.
Crossdressing
Kleidung tragen, die gesellschaftlich dem anderen Geschlecht zugeordnet wird, ohne dass sich die Geschlechtsidentität ändert. Siehe Crossdressing.
Transsexuell
Älterer, vor allem medizinischer Begriff, den viele heute ablehnen, weil er nach Sexualität klingt. Manche ältere trans Menschen nutzen ihn für sich trotzdem weiter. Siehe veraltete Begriffe.

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