Pride-Flaggen: Wer sie entworfen hat und was die Farben bedeuten

Hellblau, Rosa, Weiß, dazu Regenbogen, Winkel und Kreise: Hinter jeder Pride-Flagge steht ein Mensch, ein Jahr und eine Idee. Hier findest du die wichtigsten Flaggen mit ihrer Geschichte.

Progress-Pride-Flagge mit Regenbogen und Winkel in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß
Die Progress-Pride-Flagge entwarf Daniel Quasar 2018. Der Winkel in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß ergänzt den Regenbogen um People of Color und trans Menschen.

Warum Flaggen mehr sind als bunter Stoff

Eine Flagge am Fenster, ein Aufnäher am Rucksack, ein kleines Symbol im Profil: Für viele trans und nicht-binäre Menschen ist das ein stilles Signal. Es sagt „Mich gibt es“ oder „Hier bist du sicher“. Wer sich lange allein gefühlt hat, erlebt oft zum ersten Mal Zugehörigkeit, wenn auf dem CSD plötzlich die eigene Flagge in der Menge auftaucht.

Flaggen machen sichtbar, was man Menschen nicht ansieht. Mal sind sie Erkennungszeichen, mal Protest, mal Erinnerung. Und sie haben fast alle eine erstaunlich konkrete Herkunft: Die meisten Pride-Flaggen hat eine einzelne Person entworfen, und man weiß, wer sie entworfen hat und wann. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten und erklärt, was die Farben bedeuten, soweit die Urheber*innen das selbst beschrieben haben.

Intersex-inklusive Progress-Pride-Flagge weht vor blauem Himmel
Foto: Sophie Popplewell / Unsplash

Die Trans-Flagge: Hellblau, Rosa, Weiß

Die Trans-Flagge entwarf die US-amerikanische trans Aktivistin Monica Helms im Jahr 1999. Öffentlich gezeigt wurde sie zum ersten Mal im Jahr 2000 auf einer Pride-Parade in Phoenix, Arizona. Sie hat fünf waagerechte Streifen: Hellblau, Rosa, Weiß, Rosa, Hellblau.

  • Hellblau steht für die Farbe, die traditionell kleinen Jungen zugeordnet wird.
  • Rosa steht für die Farbe, die traditionell kleinen Mädchen zugeordnet wird.
  • Weiß in der Mitte steht für Menschen, die intergeschlechtlich sind, sich in einer Transition befinden oder sich keinem Geschlecht zuordnen.

Ein schönes Detail: Die Flagge ist symmetrisch. Egal wie herum du sie aufhängst, sie ist immer richtig. Helms hat das als Bild dafür beschrieben, dass trans Menschen in ihrem Leben richtig sind. Mehr über die Menschen, für die diese Flagge steht, erfährst du im Artikel Was bedeutet transgender?.

Flaggen für nicht-binäre, genderfluide, agender und genderqueere Menschen

Ab den 2010er-Jahren entstanden viele Flaggen für Identitäten jenseits von Mann und Frau, meist in Online-Communitys.

Die nicht-binäre Flagge stammt von Kye Rowan (2014). Gelb steht für Geschlechter außerhalb von männlich und weiblich, Weiß für Menschen mit vielen oder allen Geschlechtern, Lila für eine Mischung aus männlich und weiblich und Schwarz für Menschen ohne Geschlecht. Was nicht-binär genau heißt, erklärt die Seite nicht-binär und non-binär.

Die Genderfluid-Flagge entwarf JJ Poole (2012). Sie hat fünf Streifen: Rosa für Weiblichkeit, Blau für Männlichkeit, Lila für die Kombination aus beidem, Schwarz für alle weiteren Geschlechter und Weiß für kein Geschlecht. Zusammen bilden sie die Bewegung ab, die genderfluide Menschen erleben.

Die Agender-Flagge von Salem X (2014) zeigt Schwarz, Grau, Weiß und in der Mitte Hellgrün. Schwarz und Weiß stehen für die Abwesenheit von Geschlecht, Grau für eine teilweise Verbindung zu einem Geschlecht, Grün für nicht-binäre Geschlechter. Mehr dazu unter agender.

Die Genderqueer-Flagge von Marilyn Roxie (2011) besteht aus Lavendel, Weiß und Dunkelgrün. Lavendel ist eine Mischung aus Blau und Rosa und steht für Androgynität, Weiß für geschlechtsneutrale Identitäten, Dunkelgrün als Gegenfarbe zu Lavendel für Identitäten außerhalb der Zweiteilung. Hintergründe stehen unter genderqueer.

Regenbogen, Progress Pride und die Intersex-Flaggen

Die bekannteste Flagge ist die Regenbogenflagge von Gilbert Baker aus dem Jahr 1978, entstanden in San Francisco. Das Original hatte acht Streifen, jeder mit eigener Bedeutung: Pink für Sexualität, Rot für Leben, Orange für Heilung, Gelb für Sonnenlicht, Grün für Natur, Türkis für Kunst, Indigo für Harmonie und Violett für den Geist. Später setzte sich die heute übliche Version mit sechs Streifen durch.

2018 ergänzte Daniel Quasar den Regenbogen zur Progress-Pride-Flagge. Am linken Rand sitzt ein Winkel, der wie ein Pfeil nach rechts zeigt, als Zeichen für Fortschritt. Er enthält Schwarz und Braun für Schwarze Menschen und People of Color in der queeren Community und die Farben der Trans-Flagge. Schwarz wird oft auch als Erinnerung an die Menschen gelesen, die an Aids gestorben sind.

Die Intersex-Flagge entwarf Morgan Carpenter 2013: ein lila Kreis auf gelbem Grund. Gelb und Lila wurden bewusst gewählt, weil sie nicht als typische Farben für Jungen oder Mädchen gelten. Der Kreis steht für Ganzheit und das Recht auf einen unversehrten Körper. Valentino Vecchietti verband 2021 beides zur intersex-inklusiven Progress-Flagge, in deren Winkel ein gelbes Dreieck mit lila Kreis sitzt. Was Intergeschlechtlichkeit bedeutet und warum sie nicht dasselbe ist wie trans sein, erklärt der Artikel über intergeschlechtliche Menschen.

Alle Flaggen auf einen Blick

FlaggeUrheber*inJahr
RegenbogenflaggeGilbert Baker1978
Trans-FlaggeMonica Helms1999
Genderqueer-FlaggeMarilyn Roxie2011
Genderfluid-FlaggeJJ Poole2012
Intersex-FlaggeMorgan Carpenter2013
Nicht-binäre FlaggeKye Rowan2014
Agender-FlaggeSalem X2014
Progress-Pride-FlaggeDaniel Quasar2018
Intersex-inklusive Progress-FlaggeValentino Vecchietti2021

Daneben gibt es viele weitere, etwa für demigender, bigender oder genderflux. Eine gepflegte Sammlung mit Erklärungen findest du beim Queer Lexikon.

Zu viele Flaggen? Die Kritik ehrlich eingeordnet

Manche Menschen, auch innerhalb der Community, sprechen von einer „Flaggen-Inflation“. Ihr Einwand: Bei so vielen Symbolen blicke niemand mehr durch, die Bewegung zersplittere, und eine gemeinsame Flagge wie der Regenbogen sei stärker als dutzende einzelne. Auch die Progress-Pride-Flagge hat Kritik geerntet, mal aus gestalterischen Gründen, mal weil sie den ursprünglich offenen Regenbogen mit immer mehr Elementen auflade.

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Es stimmt auch, dass kaum jemand alle Flaggen kennt. Aber das muss auch niemand. Kleine Flaggen sind vor allem für die Menschen da, die sich darin wiederfinden. Wer gerade erst ein Wort für sich gefunden hat, freut sich oft über ein Zeichen, das zeigt: Es gibt andere wie mich. Niemand wird gezwungen, eine bestimmte Flagge zu nutzen. Und wer lieber den Regenbogen zeigt, macht damit nichts falsch.

Flaggen zeigen: am Arbeitsplatz, an Gedenktagen, zu Hause

Ob du eine Flagge zeigst, ist deine Entscheidung. Am Arbeitsplatz kann ein kleiner Pin oder eine Flagge am Schreibtisch signalisieren, dass jemand ansprechbar ist. Das wirkt allerdings nur, wenn das Verhalten dazu passt. Unternehmen, die im Juni ihr Logo in Regenbogenfarben tauchen, aber im Alltag nichts für queere Beschäftigte tun, wird zu Recht „Pinkwashing“ oder „Rainbow-Washing“ vorgeworfen.

An festen Terminen haben Flaggen eine besondere Rolle. Am Trans Day of Visibility am 31. März zeigen viele die Trans-Flagge als Zeichen der Sichtbarkeit. Am Transgender Day of Remembrance am 20. November steht sie bei Mahnwachen für die Menschen, die durch Gewalt gestorben sind. Hier passt eher ein ruhiger Rahmen als Partystimmung. Alle wichtigen Termine findest du unter Gedenk- und Aktionstage.

Noch ein paar praktische Punkte, damit die Trans-Flagge und Pride-Flaggen auch respektvoll ankommen:

  • Behandle Flaggen nicht als Dekoration, die nach dem CSD im Müll landet. Bewahr sie auf oder gib sie weiter.
  • Wenn du eine Flagge für eine Gruppe aufhängst, zu der du nicht gehörst, frag Menschen aus dieser Gruppe, ob sie das gut finden.
  • Rechne damit, dass eine sichtbare Flagge auch Ablehnung auslöst. Überleg vorher, ob du dich damit sicher fühlst, etwa am Auto oder am Briefkasten.

Weitere Hintergründe zu Geschichte, Symbolen und Kultur findest du im Bereich Wissen.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Darf ich als cis Person eine Trans-Flagge aufhängen?

Ja. Viele trans Menschen freuen sich, wenn Freund*innen, Familie oder Kolleg*innen damit Unterstützung zeigen. Entscheidend ist, dass es nicht bei der Flagge bleibt. Wer sie zeigt, sollte auch Namen und Pronomen respektieren, bei abfälligen Sprüchen widersprechen und trans Menschen zuhören. Eine Flagge ohne Haltung wirkt schnell wie Dekoration. Mit Haltung kann sie ein echtes Zeichen von Sicherheit sein.

Was ist der Unterschied zwischen Pride-Flagge und Regenbogenflagge?

Meist wird beides gleichbedeutend verwendet, gemeint ist dann der sechsstreifige Regenbogen. Genau genommen ist „Pride-Flagge“ aber ein Oberbegriff für alle Flaggen der queeren Community, also auch für die Trans-Flagge, die nicht-binäre Flagge oder die Progress-Pride-Flagge. Die Regenbogenflagge steht vor allem für die gesamte Community, während viele andere Flaggen eine bestimmte Identität oder Gruppe zeigen.

Gibt es offizielle Regeln, wie eine Pride-Flagge aussehen muss?

Nein. Anders als Staatsflaggen sind Pride-Flaggen nicht gesetzlich geregelt. Die Urheber*innen haben Farben und Aufbau festgelegt, aber im Alltag gibt es viele Varianten, etwa leicht andere Farbtöne oder Versionen mit zusätzlichen Symbolen. Wichtiger als exakte Farbwerte ist, dass die Flagge erkennbar bleibt. Wer sie für Druck oder Grafik braucht, findet die ursprünglichen Farbangaben meist in den Beschreibungen der Urheber*innen.

Warum gibt es für intergeschlechtliche Menschen eine eigene Flagge?

Intergeschlechtliche Menschen haben körperliche Geschlechtsmerkmale, die nicht in die medizinische Norm von männlich oder weiblich passen. Ihre Anliegen sind oft andere als die von trans Menschen, zum Beispiel der Schutz vor nicht notwendigen Operationen im Kindesalter. Die eigene Flagge mit gelbem Grund und lila Kreis macht diese Gruppe sichtbar. Der Kreis steht dabei für körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

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