Identitäten
Transgender: Was es bedeutet, trans zu sein
Trans Menschen sind ein anderes Geschlecht als das, was bei ihrer Geburt eingetragen wurde. Hier erfährst du, was der Begriff genau meint, was er nicht meint und wie du respektvoll damit umgehst.
Was transgender bedeutet
Transgender, kurz trans, heißt: Das Geschlecht, das eine Person ist, passt nicht zu dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. Nach der Geburt schauen Hebamme oder Ärzt*innen auf den Körper und tragen „Junge“ oder „Mädchen“ ein. Bei den meisten Menschen stimmt das später mit ihrem inneren Wissen überein. Bei trans Menschen nicht. So weit die Bedeutung in Kurzform.
Eine trans Frau ist also eine Frau, die bei der Geburt als Junge eingeordnet wurde. Ein trans Mann ist ein Mann, der als Mädchen eingeordnet wurde. Die Vorsilbe „trans“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „jenseits“ oder „hinüber“. Das Gegenstück ist cis, lateinisch für „diesseits“: Bei cis Menschen passen zugewiesenes Geschlecht und Identität zusammen.
Im Deutschen schreibt man „trans“ meist als eigenes, kleines Adjektiv: trans Frau, trans Person, so wie man auch „große Frau“ schreibt. Die Schreibweise „Transfrau“ in einem Wort ist verbreitet. Viele empfinden sie aber als weniger passend, weil sie so klingt, als gäbe es neben Frauen noch eine eigene Sorte.

Trans als Oberbegriff
Trans wird heute meist als Oberbegriff verwendet. Dazu gehören binäre trans Menschen, also trans Frauen und trans Männer, und oft auch nicht-binäre Menschen, die sich weder ausschließlich als Frau noch als Mann verstehen. Ob sich eine nicht-binäre Person selbst trans nennt, entscheidet sie allerdings selbst. Manche tun es, manche nicht.
Ältere Begriffe wie „transsexuell“ oder „Transidentität“ begegnen dir noch in Arztbriefen, alten Gesetzestexten und Büchern. „Transsexuell“ stammt aus der Medizin und klingt, als ginge es um Sexualität. Deshalb lehnen viele das Wort ab. Einige Menschen, vor allem ältere, nutzen es trotzdem für sich, und das ist ihr gutes Recht. Wenn du über andere sprichst, ist „trans“ die sichere Wahl.
Geschlecht ist nicht gleich sexuelle Orientierung
Ein häufiges Missverständnis: Trans wird mit schwul oder lesbisch in einen Topf geworfen. Das sind aber zwei verschiedene Fragen. Die Geschlechtsidentität beantwortet „Wer bin ich?“. Die sexuelle Orientierung beantwortet „Wen liebe oder begehre ich?“.
Unter trans Menschen gibt es deshalb alle Orientierungen, die es auch bei cis Menschen gibt. Ein trans Mann, der Frauen liebt, ist hetero. Eine trans Frau, die Frauen liebt, ist lesbisch. Manche trans Menschen sind bi, pan oder asexuell. Bei manchen verändert sich im Lauf der Transition auch, wie sie ihre Orientierung beschreiben, weil sie sich selbst anders verorten oder sich zum ersten Mal trauen, genauer hinzuschauen.
Was trans nicht ist
Trans sein ist keine Mode, keine Verkleidung und kein Fetisch. Es ist auch nicht dasselbe wie Drag oder Crossdressing. Eine Dragqueen spielt auf der Bühne mit Geschlechterrollen, und ein Mann, der gern Kleider trägt, bleibt ein Mann. Bei trans Menschen geht es nicht um eine Rolle, sondern um das eigene Geschlecht, auch wenn niemand zuschaut.
Trans ist auch keine psychische Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation hat das mit der ICD-11 klargestellt, die seit Januar 2022 gilt: Dort steht „Geschlechtsinkongruenz“ im Kapitel zur sexuellen Gesundheit und nicht mehr bei den psychischen Störungen. Viele trans Menschen leiden zwar unter Geschlechtsdysphorie, also unter dem Gefühl, dass Körper oder soziale Rolle nicht passen. Behandelt wird dann aber diese Belastung, nicht die Identität.
Und trans ist keine Entscheidung im Sinne von „Ich nehme heute mal das andere Geschlecht“. Entscheiden kann man, ob und wie man es lebt. Das Geschlecht selbst sucht man sich nicht aus.
Wann Menschen merken, dass sie trans sind
Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Manche wissen es schon als kleine Kinder und sagen es auch deutlich. Andere spüren lange nur ein diffuses Unbehagen, das sie nicht einordnen können. Häufig wird es in der Pubertät klarer, wenn sich der Körper in eine Richtung entwickelt, die sich falsch anfühlt. Und manche verstehen erst im mittleren oder höheren Alter, was sie die ganze Zeit gespürt haben.
Ein spätes Coming-out ist nicht weniger echt. Oft fehlten früher die Worte, die Vorbilder oder schlicht die Sicherheit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Viele erkennen im Rückblick Hinweise, die sie damals übersehen oder weggeschoben haben.
Wenn du dich gerade fragst, ob du trans bist: Du brauchst dafür keine bestimmte Kindheitsgeschichte und kein bestimmtes Maß an Leid. Der Artikel „Bin ich trans?“ hilft dir beim Sortieren, ganz ohne Test mit Punktzahl.
Transition: wie trans Menschen ihren Weg gehen
Die Schritte, mit denen trans Menschen ihr Leben an ihr Geschlecht anpassen, heißen Transition. Grob lassen sich drei Bereiche unterscheiden:
- Sozial: ein neuer Name, andere Pronomen, Kleidung, das Coming-out bei Familie, Freund*innen und im Job.
- Rechtlich: Vornamen und Geschlechtseintrag ändern lassen, danach Zeugnisse, Konten und Ausweise anpassen.
- Medizinisch: zum Beispiel Hormontherapie, Stimmtraining, Haarentfernung oder geschlechtsangleichende Operationen.
Nicht jede trans Person will alle Schritte. Manche wollen keine Hormone, manche keine Operation, für manche ist der neue Name das Entscheidende. Die deutsche S3-Leitlinie für die Behandlung Erwachsener setzt deshalb auf individuelle Entscheidungen statt auf ein starres Stufenmodell. Medizinische Schritte gehören immer in die Hände qualifizierter Fachleute, und die Risiken sollten offen besprochen werden.
Respektvoll mit trans Menschen umgehen
Das Wichtigste ist schnell gesagt: Nutze den Namen und die Pronomen, die eine Person dir nennt. Auch dann, wenn du sie lange anders kanntest. Fehler passieren, gerade am Anfang. Kurz korrigieren und weitersprechen ist besser als eine lange Entschuldigung.
- Frag nicht nach Operationen, Genitalien oder dem alten Namen. Das sind sehr private Dinge, die du bei cis Menschen auch nicht fragen würdest.
- Oute niemanden ohne Zustimmung. Ob und wem eine Person erzählt, dass sie trans ist, entscheidet sie selbst.
- Lass Sätze wie „Man sieht dir gar nicht an, dass du trans bist“. Sie sind meist als Kompliment gemeint, kommen aber als Urteil an.
- Glaub der Person. Sie kennt sich besser als jeder Mensch von außen.
Wenn du dich weiter einlesen möchtest, findest du beim Bundesverband Trans* viele Informationen aus der Sicht von trans Menschen in Deutschland.
Was das Recht in Deutschland sagt
Seit dem 1. November 2024 gilt das Selbstbestimmungsgesetz. Es hat das Transsexuellengesetz von 1980 abgelöst, unter dem zwei Gutachten und ein Gerichtsverfahren nötig waren. Heute reicht eine Erklärung beim Standesamt, die drei Monate vorher angemeldet werden muss. Möglich sind die Einträge männlich, weiblich, divers oder keine Angabe.
Frühere Vornamen und der alte Eintrag sind durch ein Offenbarungsverbot geschützt. Benachteiligung im Job oder bei Alltagsgeschäften kann unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz fallen. Politisch wird das Selbstbestimmungsgesetz weiter diskutiert. Eine Evaluation läuft, Ergebnisse liegen Stand November 2026 noch nicht vor. Für deinen konkreten Fall helfen Beratungsstellen weiter. Mehr Wissen zu den Begriffen rund um Geschlecht findest du im Bereich Grundlagen. Die hartnäckigsten Vorurteile, vom „Trend“ bis zur „Reue“, ordnen wir im Artikel Mythen und Fakten sachlich ein.
Häufige Fragen
Wie viele trans Menschen gibt es in Deutschland?
Dafür gibt es keine verlässliche Zahl. Amtlich wird nicht erfasst, wer trans ist, und Umfragen kommen je nach Fragestellung und Methode zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Man kann zwar zählen, wie viele Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern. Das sagt aber wenig aus, weil längst nicht alle trans Menschen diesen Schritt gehen. Sei also vorsichtig bei Zahlen, die sehr genau klingen.
Sagt man trans, trans* oder transgender?
Alles drei ist verbreitet und respektvoll. „Transgender“ kommt aus dem Englischen. Im Deutschen hat sich die kurze Form „trans“ durchgesetzt, klein und getrennt geschrieben. Das Sternchen in „trans*“ sollte früher zeigen, dass viele verschiedene Identitäten gemeint sind. Manche Organisationen nutzen es weiter, im Alltag wird es seltener. Wenn eine Person eine bestimmte Form für sich bevorzugt, nimm diese.
Ist es nur eine Phase, wenn sich ein Teenager als trans outet?
Das lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen, und genau deshalb lohnt es sich, zuzuhören statt abzuwinken. Manche Jugendliche probieren Namen oder Bezeichnungen aus und finden später eine andere Antwort, viele bleiben bei ihrer Identität. Beides ist kein Grund zur Panik. Für medizinische Schritte bei Minderjährigen gibt es eine eigene Leitlinie, die eine sorgfältige fachliche Begleitung vorsieht.
Kann eine Transition wieder rückgängig gemacht werden?
Manche Menschen beenden ihre Transition oder kehren Schritte um. Man spricht dann von Detransition. Die Gründe sind verschieden: Für manche waren Druck von außen, Diskriminierung oder fehlende Unterstützung entscheidend, andere merken, dass ein anderer Weg besser passt. Wie häufig das ist, lässt sich wegen uneinheitlicher Studien schwer sagen. Einige medizinische Veränderungen sind dauerhaft, deshalb ist gute Aufklärung vorher so wichtig.
Passt dazu
Du brauchst gerade jemanden zum Reden?
Wir bieten keine Beratung an. Es gibt aber Menschen, die genau dafür da sind, kostenlos und auf Wunsch anonym.
- TelefonSeelsorge, rund um die Uhr: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111
- Queere Anlaufstellen in deiner Nähe findest du im Überblick zu Beratung und Selbsthilfe.