Wissen
Aktionstage für trans Menschen: Termine, Bedeutung, Ideen
Einige Tage im Jahr stehen für Sichtbarkeit, andere für Trauer und Erinnerung. Hier findest du die wichtigsten Gedenk- und Aktionstage mit Datum und Hintergrund und Ideen, wie Einzelne, Schulen und Arbeitgeber sie respektvoll begehen können.
Feiern oder trauern: zwei Arten von Tagen
Gedenktage und Aktionstage haben ganz unterschiedliche Stimmungen. An manchen geht es darum, sichtbar zu sein und zu zeigen, dass trans und nicht-binäre Menschen mitten in der Gesellschaft leben. An anderen steht die Erinnerung an Menschen im Vordergrund, die durch Hass und Gewalt gestorben sind. Wer beides verwechselt, landet schnell bei einer bunten Party am falschen Tag.
Die meisten dieser Termine sind in den USA oder in internationalen Netzwerken entstanden und werden inzwischen weltweit aufgegriffen. Sie haben keinen offiziellen Status wie ein Feiertag. Ihre Bedeutung kommt daher, dass viele Menschen sie ernst nehmen und mit Leben füllen. Hier bekommst du alle wichtigen Termine im Überblick, mit ein paar Ideen, was du daraus machen kannst.

Die wichtigsten Termine im Jahr
| Datum | Tag | Worum es geht |
|---|---|---|
| 31. März | Trans Day of Visibility (TDoV) | Sichtbarkeit und Leben von trans Menschen |
| 17. Mai | IDAHOBIT | Internationaler Tag gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit |
| 14. Juli | Internationaler Tag nicht-binärer Menschen | Sichtbarkeit nicht-binärer Menschen |
| 26. Oktober | Intersex Awareness Day | Rechte und Sichtbarkeit intergeschlechtlicher Menschen |
| 13. bis 19. November | Trans Awareness Week | Aufklärung über trans Themen |
| 20. November | Transgender Day of Remembrance (TDoR) | Gedenken an trans Menschen, die durch Gewalt gestorben sind |
Dazu kommt die CSD-Saison im Sommer, die an den Aufstand von 1969 in New York erinnert. Mehr dazu steht im Artikel über Stonewall und den Christopher Street Day.
31. März: Trans Day of Visibility
Den Trans Day of Visibility gibt es seit 2009. Initiiert hat ihn die US-amerikanische trans Aktivistin Rachel Crandall. Ihr fiel auf, dass der bekannteste Termin der Community ein Trauertag war. Es fehlte ein Tag, der lebende trans Menschen in den Mittelpunkt stellt: ihre Freude, ihre Erfolge, ihren Alltag.
Sichtbarkeit ist dabei ein zweischneidiges Thema. Für manche ist es befreiend, sich zu zeigen. Für andere ist es riskant, etwa im Job, in der Familie oder in einem Umfeld, in dem trans Menschen angefeindet werden. Der TDoV ist deshalb keine Aufforderung an trans Menschen, sich zu outen. Er ist eher eine Einladung an alle anderen, hinzuschauen und zuzuhören. Viele zeigen an diesem Tag die Trans-Flagge.
November: Awareness Week und Day of Remembrance
Am 20. November ist der Transgender Day of Remembrance. Gwendolyn Ann Smith rief ihn 1999 ins Leben, im Gedenken an Rita Hester, eine Schwarze trans Frau, die in den USA ermordet worden war. Ihr Tod wurde nie aufgeklärt. Seitdem erinnern Menschen weltweit an diesem Tag an trans Personen, die durch Gewalt gestorben sind. Typisch sind Mahnwachen mit Kerzen, Schweigeminuten und das Verlesen von Namen.
Internationale Projekte sammeln jedes Jahr Meldungen über getötete trans Menschen. Diese Listen gelten als unvollständig, weil viele Taten nicht erfasst, nicht als Hassverbrechen erkannt oder die Opfer unter falschem Namen und Geschlecht gemeldet werden. Besonders häufig betroffen sind nach diesen Berichten trans Frauen, People of Color und Menschen in der Sexarbeit.
Die Woche davor, vom 13. bis 19. November, ist die Trans Awareness Week. Sie nutzt die Aufmerksamkeit vor dem Gedenktag für Aufklärung: Vorträge, Infostände, Beiträge in sozialen Medien. Wer sich über Gewalt gegen trans Menschen in Deutschland informieren oder einen Vorfall melden will, findet Hinweise im Artikel über Hasskriminalität.
Der TDoR ist kein Anlass für Partys oder fröhliche Werbung. Ein ruhiger Rahmen, Raum für Trauer und ein Gespräch über konkrete Ursachen von Gewalt passen deutlich besser.
IDAHOBIT, nicht-binäre Menschen und Intersex Awareness Day
Der IDAHOBIT am 17. Mai erinnert an den 17. Mai 1990. An diesem Tag beschloss die Weltgesundheitsorganisation, Homosexualität aus ihrer Liste der Krankheiten zu streichen. Der Tag richtete sich zuerst gegen Homofeindlichkeit, die Buchstaben für Bi- und Transfeindlichkeit kamen später dazu. Manche Organisationen nehmen inzwischen auch Interfeindlichkeit ausdrücklich in den Namen auf. In vielen Städten gibt es an diesem Tag Kundgebungen, oft wehen Regenbogenflaggen an Rathäusern.
Am 14. Juli ist der Internationale Tag nicht-binärer Menschen. Er macht sichtbar, dass es Menschen gibt, die sich nicht oder nicht nur als Mann oder Frau verstehen. Was das bedeutet, erklärt die Seite über nicht-binäre Identitäten.
Der Intersex Awareness Day am 26. Oktober erinnert an eine Protestaktion intergeschlechtlicher Aktivist*innen in Boston im Jahr 1996. Im Mittelpunkt stehen die Rechte von Menschen, deren Körper nicht in die medizinische Norm von männlich und weiblich passen, vor allem der Schutz vor nicht notwendigen Eingriffen im Kindesalter. Intergeschlechtlichkeit ist etwas anderes als trans sein, auch wenn beide Gruppen oft gemeinsam auftreten. Mehr dazu findest du unter intergeschlechtliche Menschen.
Ideen für Schulen, Arbeitgeber und dich selbst
Wer einen dieser Tage aufgreifen will, muss kein großes Programm auf die Beine stellen. Wichtiger als Aufwand ist, dass trans und nicht-binäre Menschen selbst zu Wort kommen und niemand vorgeführt wird.
In der Schule
- Ein Büchertisch in der Bibliothek oder ein Aushang mit Infos zum jeweiligen Tag.
- Eine Unterrichtsstunde über Geschichte und Hintergründe, altersgerecht und ohne einzelne Kinder als Beispiel zu nutzen.
- Eine Einladung an Aufklärungsprojekte oder Beratungsstellen aus der Region. Tipps zum Schulalltag stehen unter trans in Schule und Studium.
Am Arbeitsplatz
- Statt nur einen Post in sozialen Medien zu veröffentlichen, prüfen, ob Namensänderungen in internen Systemen einfach möglich sind.
- Ein Netzwerk für queere Beschäftigte unterstützen, ohne jemanden zur Teilnahme zu drängen.
- Vortragende aus der Community fair bezahlen, statt Gratisarbeit zu erwarten. Mehr dazu unter trans am Arbeitsplatz.
Für dich selbst
- Zu einer Mahnwache oder Kundgebung gehen, auch einfach nur, um da zu sein.
- Beiträge von trans Menschen teilen, statt nur über sie zu sprechen.
- Im eigenen Umfeld widersprechen, wenn abfällig über trans Menschen geredet wird. Das wirkt an jedem Tag im Jahr.
Respektvoll statt symbolisch
Ein häufiger Fehler ist, Aktionstage als reine Imagepflege zu behandeln. Eine Firma, die am TDoV ein Logo in Hellblau, Rosa und Weiß zeigt, aber trans Beschäftigten den Alltag schwer macht, erreicht eher das Gegenteil. Dasselbe gilt für Schulen, die einmal im Jahr eine Aktion machen und sonst Mobbing ignorieren.
Für trans Menschen selbst können diese Tage anstrengend sein. Rund um den TDoR häufen sich Berichte über Gewalt, und am TDoV kann der Druck entstehen, sich zeigen zu müssen. Niemand ist verpflichtet, mitzumachen. Sich an einem solchen Tag zurückzuziehen, ist genauso in Ordnung wie eine Rede auf der Kundgebung.
Respekt heißt auch: Nicht für trans Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Wer eine Veranstaltung plant, sollte Menschen aus der Community früh einbinden und ihnen die Entscheidung lassen, wie sichtbar sie sein wollen. Einen guten Überblick über Vereine und Initiativen bietet der Bundesverband Trans*. Weitere Hintergründe zu Geschichte und Kultur findest du im Bereich Wissen.
Häufige Fragen
Darf ich als cis Person an einer TDoR-Mahnwache teilnehmen?
Ja, in aller Regel sind Unterstützer*innen willkommen. Verhalte dich ruhig und zurückhaltend, so wie bei jeder anderen Trauerfeier. Mach keine Fotos von Menschen, ohne vorher zu fragen, und dräng dich nicht in den Mittelpunkt. Wenn Namen verlesen werden, hör einfach zu. Manche Gruppen bieten auch geschlossene Treffen nur für trans Menschen an, das solltest du dann respektieren.
Warum werden beim TDoR Namen vorgelesen?
Das Verlesen der Namen macht aus abstrakten Zahlen einzelne Menschen mit eigener Geschichte. Viele der Verstorbenen wurden in Berichten mit falschem Namen oder falschem Geschlecht genannt, oft auch nach ihrem Tod. Am TDoR werden sie so genannt, wie sie gelebt haben. Für Angehörige und Freund*innen kann das ein wichtiger Moment der Würde sein, für alle anderen eine Erinnerung daran, worum es geht.
Gibt es auch in Deutschland eigene Aktionstage für trans Menschen?
Eigene, nur in Deutschland entstandene Tage mit großer Bekanntheit gibt es kaum. Die internationalen Termine werden hier aber breit aufgegriffen, von Vereinen, Beratungsstellen, Hochschulen und manchen Kommunen. Dazu kommen die vielen lokalen CSDs im Sommer. Was in deiner Nähe passiert, erfährst du meist über queere Zentren, Selbsthilfegruppen oder die Kanäle lokaler Initiativen.
Wie schreibe ich einen respektvollen Social-Media-Beitrag zum TDoV?
Stell lebende trans Menschen in den Mittelpunkt, nicht Klischees oder Leidensgeschichten. Teile lieber Inhalte von trans Personen, als selbst für sie zu sprechen. Verzichte auf Vorher-Nachher-Bilder und auf Fragen zu Körpern oder Operationen. Wenn du ein Unternehmen vertrittst, nenne ehrlich, was ihr konkret tut. Ein schlichter, aufrichtiger Beitrag wirkt meist besser als eine große Kampagne ohne Inhalt.
Passt dazu
Du brauchst gerade jemanden zum Reden?
Wir bieten keine Beratung an. Es gibt aber Menschen, die genau dafür da sind, kostenlos und auf Wunsch anonym.
- TelefonSeelsorge, rund um die Uhr: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111
- Queere Anlaufstellen in deiner Nähe findest du im Überblick zu Beratung und Selbsthilfe.