Geschlechtseintrag divers: Was die Optionen im Alltag bedeuten

Neben männlich und weiblich gibt es in Deutschland zwei weitere Möglichkeiten: divers und keine Angabe. Hier steht, wie es dazu kam, worin sich beide unterscheiden und was sie im Alltag und auf Reisen mit sich bringen.

Von der „dritten Option“ zum Eintrag für alle

Lange kannte das deutsche Personenstandsrecht nur zwei Möglichkeiten: männlich und weiblich. Für Menschen, die weder das eine noch das andere sind, gab es keinen passenden Platz. Das änderte sich mit einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von 2017. Das Gericht entschied, dass Menschen, die sich dauerhaft weder als Mann noch als Frau verstehen, im Personenstandsrecht nicht übergangen werden dürfen. In der Debatte hieß das bald nur noch „dritte Option“.

Seit Dezember 2018 gibt es deshalb den Eintrag divers. Anfangs stand er allerdings nur intergeschlechtlichen Menschen offen, und auch nur mit ärztlichem Nachweis. Nicht-binäre Menschen ohne körperliche Variante der Geschlechtsmerkmale hatten damit wenig gewonnen. Das hat sich mit dem Selbstbestimmungsgesetz geändert. Seit dem 1. November 2024 können alle Menschen den Eintrag per Erklärung beim Standesamt wählen, ohne Attest und ohne Gutachten.

Heute gibt es also vier Möglichkeiten für den Geschlechtseintrag: männlich, weiblich, divers und keine Angabe. Welche davon passt, entscheidest du selbst. Viele nicht-binäre Menschen (oft auch „non-binär“ genannt) überlegen genau, ob sie überhaupt etwas ändern und wenn ja, wohin. Was die beiden neueren Optionen im Alltag bedeuten, ist dabei oft die wichtigere Frage als die Geschichte dahinter. Darum geht es in den folgenden Abschnitten.

Divers oder keine Angabe: wo der Unterschied liegt

Auf den ersten Blick wirken beide Optionen ähnlich. Sie meinen aber Verschiedenes. Divers ist ein eigener, positiver Eintrag. Er sagt: Diese Person hat ein Geschlecht, und es ist weder männlich noch weiblich. Keine Angabe bedeutet, dass der Eintrag gestrichen wird. Im Register steht dann schlicht nichts.

Für die einen fühlt sich divers richtig an, weil es sichtbar macht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Andere finden das Wort unpassend oder wollen sich gar nicht festlegen lassen. Für sie ist die Streichung die ehrlichere Lösung: Der Staat muss nicht wissen, welches Geschlecht sie haben. Beides ist legitim, und keine Variante ist „mehr nicht-binär“ als die andere.

Fragediverskeine Angabe
Was steht im Register?der Eintrag „divers“kein Eintrag
Geschlechtsfeld im ReisepassXX
Vornamenneutral oder frei kombinierbarneutral oder frei kombinierbar
Sperrfrist nach der Änderungein Jahrein Jahr

Praktisch sind die Unterschiede klein. Für Pass, Vornamen und Fristen gelten dieselben Regeln. Wie du zu einem passenden Namen kommst, erklärt der Artikel zur Änderung des Vornamens.

Ein X im Reisepass

Bei divers und bei keine Angabe steht im deutschen Reisepass im Geschlechtsfeld ein „X“. Das ist die international übliche Markierung für alles, was nicht männlich oder weiblich ist. Im Personalausweis steht dagegen gar kein Geschlecht, dort fällt der Unterschied also nicht auf.

Ein X ist ehrlich, aber es ist auch auffällig. Wer deinen Pass sieht, kann daraus schließen, dass du nicht-binär, inter oder trans bist. Für manche ist das genau richtig. Andere möchten nicht bei jeder Hotelanmeldung oder Passkontrolle etwas über sich verraten, was niemanden etwas angeht. Diese Abwägung kann dir niemand abnehmen.

Formulare, Anrede und Systeme mit nur zwei Kästchen

Im Alltag merkst du schnell, wie stark viele Abläufe auf zwei Geschlechter gebaut sind. Stellenanzeigen mit „m/w/d“ sind inzwischen üblich. Viele Formulare, Software und Kundenportale sind aber noch nicht so weit.

  • Formulare: Auf Papier kannst du ein Feld leer lassen oder dazuschreiben, was stimmt. Bei Behörden lohnt es sich, nach einer aktuellen Fassung zu fragen.
  • Anrede: Briefe beginnen oft mit „Herr“ oder „Frau“. Eine gute Alternative ist „Guten Tag“ mit vollem Namen. Du kannst Stellen aktiv darum bitten und dazu sagen, welche Pronomen du nutzt.
  • Online-Systeme: Manche Shops, Banken oder Buchungsportale haben ein Pflichtfeld mit nur zwei Optionen. Dann musst du dich entscheiden, ob du eine Option wählst, die nicht passt, oder beim Anbieter nachfragst. Ein kurzer Hinweis an den Kundenservice bewirkt manchmal mehr, als man denkt.
  • Abgleich von Daten: Wenn ein System nur M oder F kennt und dein Pass ein X zeigt, kann es beim Abgleich hängen. Das betrifft vor allem Flüge und manche Verträge.

Welche Stellen du nach der Änderung informieren solltest, steht in der Übersicht zum Anpassen deiner Dokumente.

Reisen mit X: lieber vorher fragen

Wie andere Länder mit einem X im Pass umgehen, entscheiden sie selbst. Manche erkennen den Eintrag an, manche kennen ihn aus eigenem Recht. Andere haben Einreise- oder Visaformulare, auf denen es nur männlich und weiblich gibt. In einzelnen Ländern kann ein X zu Rückfragen, längeren Kontrollen oder Problemen bei der Einreise führen. Dazu kommt: In manchen Staaten ist es generell riskant, als queere Person erkennbar zu sein.

Wir können hier keine Länderliste geben, dafür ändern sich die Regeln zu schnell. Sinnvoll ist, vor jeder Reise die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu lesen und bei Unsicherheit die Vertretung des Ziellandes zu fragen. Achte auch darauf, dass dein Flugticket zu den Angaben im Pass passt. Weitere Tipps für unterwegs sammelt der Artikel zum Reisen als trans oder nicht-binäre Person.

Was dafür spricht und was dagegen

Ob du divers wählst, den Eintrag streichst oder bei männlich oder weiblich bleibst, ist keine Frage von richtig oder falsch. Es geht darum, was zu deinem Leben passt.

Dafür spricht vor allem, dass der Eintrag dann zu dir passt. Viele beschreiben es als Erleichterung, nicht mehr in eine Kategorie gezwungen zu sein, die sich falsch anfühlt. Ein Eintrag jenseits von männlich und weiblich macht außerdem sichtbar, dass es nicht-binäre Menschen gibt. Und du kannst Vornamen wählen, die nicht an ein Geschlecht gebunden sind.

Dagegen sprechen eher praktische Gründe. Das X im Pass kann auf Reisen zum Problem werden. Systeme mit zwei Optionen kosten Nerven und Erklärungen. Mit jedem Dokument, das ein X zeigt, gibst du etwas über dich preis, ob du willst oder nicht. Und nach einer Änderung gilt eine Sperrfrist von einem Jahr, bevor du erneut ändern kannst.

Manche entscheiden sich deshalb bewusst für männlich oder weiblich, obwohl sie nicht-binär sind, etwa weil sie oft beruflich reisen. Auch das ist eine legitime Entscheidung. Sie sagt nichts darüber aus, wie „echt“ jemand ist.

Wenn du dir unsicher bist

Lass dir Zeit. Die drei Monate zwischen Anmeldung und Erklärung beim Standesamt sind auch eine Gelegenheit, die Folgen in Ruhe zu durchdenken. Sprich mit Menschen, die den Schritt schon gemacht haben. In vielen Selbsthilfegruppen gibt es Leute mit Erfahrung, gerade auch mit Reisen und Behörden.

Bitte versteh das als Orientierung mit Stand November 2026, nicht als Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Fragen zu deinem Fall helfen Beratungsstellen, bei Streit mit einer Stelle auch Anwält*innen mit Erfahrung im Thema. Adressen findest du beim Bundesverband Trans*. Alle weiteren Rechtsthemen sammelt die Seite Recht und Behörden.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wie spreche ich eine Person mit Eintrag divers richtig an?

Aus dem Eintrag allein lässt sich nicht ablesen, welche Anrede und welche Pronomen eine Person möchte. Manche nutzen „they“, „sier“ oder ein anderes Pronomen, manche gar keins, manche „sie“ oder „er“. Am einfachsten ist es, die Person zu fragen oder darauf zu achten, wie sie sich selbst vorstellt. Bis dahin funktionieren Vorname und Nachname ohne „Herr“ oder „Frau“ fast immer.

Gibt es divers auch in Österreich und der Schweiz?

In Österreich gibt es seit 2018 für intergeschlechtliche Menschen alternative Einträge wie inter, divers oder offen sowie die Streichung. Seit einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs vom Dezember 2025 können auch nicht-binäre und trans Personen sie bekommen, ein Gesetz dazu fehlt aber. In der Schweiz gibt es nur männlich und weiblich, eine dritte Option hat der Bundesrat 2022 abgelehnt.

Was bedeutet „m/w/d“ in Stellenanzeigen?

Die Abkürzung steht für männlich, weiblich, divers. Arbeitgeber zeigen damit, dass sich die Stelle an Menschen jedes Geschlechts richtet. Seit es den Eintrag divers gibt, hat sich die Schreibweise in Stellenanzeigen weit verbreitet. Ob ein Unternehmen nicht-binäre Menschen im Arbeitsalltag dann auch gut behandelt, sagt das Kürzel allein allerdings nicht. Da lohnt ein genauerer Blick.

Muss ich meinen Eintrag ändern, um als nicht-binär zu gelten?

Nein. Ob du nicht-binär bist, hängt nicht davon ab, was im Register steht. Viele nicht-binäre Menschen lassen ihren Eintrag, wie er ist, aus praktischen Gründen oder weil ihnen der Staat einfach egal ist. Der Eintrag ist ein Werkzeug, kein Beweis. Du kannst ihn ändern, wenn es dir hilft, und lassen, wenn es dir nicht hilft.

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