Welche Pronomen passen? Er, sie und die Alternativen

Pronomen sind kleine Wörter mit großer Wirkung. Hier erfährst du, welche Möglichkeiten es im Deutschen neben er und sie gibt, wie du entspannt nach Pronomen fragst und wie du dich korrigierst, wenn mal eins danebengeht.

Was Pronomen eigentlich sind

Pronomen sind die kleinen Wörter, die im Satz für einen Namen einspringen. Statt „Jana hat angerufen, Jana kommt später“ sagst du „Jana hat angerufen, sie kommt später“. Im Deutschen gehören dazu vor allem die Personalpronomen er, sie und es, dazu die passenden Formen wie ihm, ihr, sein oder ihre.

Weil die Wörter so klein sind, fallen sie meistens gar nicht auf. Erst wenn eines nicht passt, merkt man ihre Bedeutung. Wer über eine Person „er“ sagt, ordnet sie damit als männlich ein. Für trans und nicht-binäre Menschen ist das deshalb keine Stilfrage. Das richtige Pronomen sagt: Ich sehe dich so, wie du bist. Das falsche sagt das Gegenteil, auch wenn es niemand so meint.

Pronomen hängen an der Geschlechtsidentität, nicht am Aussehen. Du kannst sie also nicht zuverlässig an Kleidung, Stimme oder Frisur ablesen. Viele Menschen nutzen er oder sie, einige etwas anderes und manche gar keins.

Er, sie und was es im Deutschen sonst noch gibt

Für die meisten trans Frauen ist „sie“ richtig, für die meisten trans Männer „er“. Bei nicht-binären Menschen ist es offener. Manche sind mit er oder sie zufrieden, manche wechseln, und manche suchen nach etwas Neutralem. Das Problem: Die deutsche Grammatik hat dafür keine fertige Lösung. „Es“ gibt es zwar, aber für Menschen klingt es abwertend, weil man es sonst vor allem für Dinge benutzt. Kaum jemand möchte so angesprochen werden.

Deshalb haben sich mehrere Alternativen entwickelt. Wenn du für eine nicht-binäre Person ein passendes Pronomen suchst, landest du meist bei einer davon:

  • Der Name statt eines Pronomens. Viele nicht-binäre Menschen im deutschsprachigen Raum wünschen sich das. Es klingt am Anfang ungewohnt, funktioniert aber in fast jedem Satz.
  • Das englische „they“. Im Englischen ist they für eine einzelne Person seit Langem gebräuchlich. Manche übernehmen es ins Deutsche: „They kommt später.“ Das ist ein Kompromiss, weil they nicht gebeugt wird und im deutschen Satz fremd wirkt. Für manche passt es trotzdem am besten.
  • Neopronomen. Das sind neu geschaffene Wörter wie xier oder dey, die bewusst kein Geschlecht anzeigen. Welche es gibt und wie man sie beugt, erklären wir ausführlich im Artikel über Neopronomen im Deutschen.

Eine allgemein gültige Lösung gibt es nicht. Welche Variante richtig ist, entscheidet die Person selbst. Mehr dazu, wie nicht-binäre Menschen ihr Geschlecht beschreiben, findest du im Text über nicht-binäre Identitäten.

Ohne Pronomen sprechen: kleine Tricks für den Satzbau

Wer den Namen statt eines Pronomens nutzt, merkt schnell: Das Pronomen ist nicht das einzige Wort mit Geschlecht. Auch Artikel, Relativsätze und Berufsbezeichnungen verraten eins. „Kim ist ein guter Freund, der immer hilft“ enthält drei männliche Formen, obwohl kein einziges Pronomen vorkommt.

Ein paar Umwege helfen:

  • Den Namen öfter wiederholen, als du es sonst tun würdest. „Kim hat Kims Jacke vergessen“ klingt nach dem dritten Mal ganz normal.
  • Den Satz umbauen. Statt „Kim, der immer hilft“ geht auch „Kim hilft immer“.
  • Neutrale Wörter wählen: „die Person“, „mein Mensch“, „Lehrkraft“ statt „Lehrer“ oder „Lehrerin“. Mehr solcher Formen sammelt der Artikel zum geschlechtergerechten Sprechen.
  • Beim Erzählen in die direkte Rede wechseln oder mit „ich“ und „wir“ arbeiten.

Perfekt wird das am Anfang nicht. Das muss es auch nicht. Wer sichtbar versucht, Pronomen richtig zu nutzen, sendet ein klares Signal, selbst wenn noch ein „der“ durchrutscht.

Nach Pronomen fragen, ohne dass es peinlich wird

Viele trauen sich nicht zu fragen, weil sie fürchten, unhöflich zu wirken. Meistens ist das Gegenteil der Fall. Unangenehm wird es eher, wenn du rätst und danebenliegst. Die einfachste Methode: Stell dich selbst mit Pronomen vor und frag dann zurück. So wirkt die Frage nicht wie ein Test für eine einzelne Person.

Ein paar Sätze, die gut funktionieren:

  • „Ich bin Sam, ich nutze er. Und du?“
  • „Mit welchen Pronomen soll ich von dir sprechen?“
  • „Wie möchtest du genannt werden, wenn ich anderen von dir erzähle?“
  • „Ich will es richtig machen: Welches Pronomen passt für dich?“

Lass Fragen wie „Was bist du denn eigentlich?“ oder „Was sind deine echten Pronomen?“ weg. Sie klingen, als würde die Antwort angezweifelt. Frag am besten unter vier Augen oder dann, wenn ohnehin alle in der Runde gefragt werden. Und frag dort, wo es eine Rolle spielt, also wenn du mit der Person zu tun haben oder über sie sprechen wirst. An der Supermarktkasse brauchst du keine Vorstellungsrunde.

Pronomen in Signatur, Profil und Vorstellungsrunde

Immer mehr Menschen schreiben ihre Pronomen in die E-Mail-Signatur, ins Profil von Messengern oder auf das Namensschild bei einer Tagung. Das sieht dann etwa so aus: „Alex Muster (er/ihm)“ oder „Pronomen: sie/ihr“. Der Vorteil liegt auf der Hand. Niemand muss raten oder nachfragen.

Besonders hilfreich ist es, wenn das auch cis Menschen tun, also Menschen, deren Geschlecht zu dem bei der Geburt zugewiesenen passt. Wenn nur trans und nicht-binäre Menschen Pronomen angeben, fallen sie damit auf. Wenn es viele machen, wird es normal. Am Arbeitsplatz kann ein Team das einfach anbieten, ohne es vorzuschreiben.

In Vorstellungsrunden gilt dasselbe Prinzip: anbieten, nicht verlangen. Ein Satz der Moderation reicht: „Wer mag, nennt Name und Pronomen.“ Pflicht sollte es nicht sein. Manche Menschen sind sich gerade selbst unsicher oder wollen in dieser Runde nichts über sich preisgeben. Wer dann nur den Namen sagt, muss sich nicht erklären.

Falsches Pronomen erwischt? So korrigierst du dich

Fehler passieren, vor allem in der ersten Zeit nach einem Coming-out oder wenn du jemanden lange anders gekannt hast. Wichtig ist, was danach kommt. Die beste Korrektur ist kurz: „Sie, sorry, er hat gesagt ...“ und dann weiter im Satz. Kein langes Entschuldigen, kein „Ich bin so ein schlechter Mensch“. Sonst muss die betroffene Person dich am Ende noch trösten.

Wenn andere jemanden falsch ansprechen, kannst du helfen, ohne eine Szene zu machen. Oft genügt es, im nächsten Satz selbst das richtige Pronomen zu verwenden. Manchmal passt ein kurzer Hinweis: „Kim nutzt übrigens keine Pronomen.“ Frag aber vorher, ob die Person das möchte. Nicht alle wollen, dass in jeder Runde über ihre Pronomen gesprochen wird. Was passiert, wenn falsche Ansprache zum Dauerzustand wird, beschreibt der Artikel über Misgendering.

Pronomen dürfen sich ändern

Manche Menschen probieren verschiedene Formen aus, bis sie wissen, welche Pronomen passen. Andere nutzen je nach Umfeld unterschiedliche, etwa „sie“ in der Familie und den Namen unter Freund*innen. Das ist kein Zeichen von Unentschlossenheit. Oft ist es Vorsicht oder ein Weg, sich selbst besser kennenzulernen.

Wenn dir jemand neue Pronomen mitteilt, reicht ein schlichtes „Danke, dass du es mir sagst“. Danach übst du, wenn nötig auch im Kopf oder beim Erzählen über die Person, wenn sie nicht dabei ist. Weitere Begriffe rund um Geschlecht und Identität findest du in unserem Bereich Grundwissen.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Was bedeutet „er/ihm“ oder „sie/ihr“ in einer Signatur?

Die Angabe zeigt, welche Pronomen eine Person für sich nutzt. Meist stehen dort zwei Formen, damit klar ist, wie das Wort im Satz gebeugt wird: „er/ihm“ heißt also „er“ im Nominativ und „ihm“ im Dativ. Bei Neopronomen hilft das besonders, weil viele die Formen nicht kennen. Steht dort „keine“ oder nur der Name, wünscht sich die Person meist kein Pronomen.

Ist „es“ eine Möglichkeit für nicht-binäre Menschen?

Für sehr wenige. Die meisten empfinden „es“ als verletzend, weil man das Wort im Deutschen sonst vor allem für Gegenstände benutzt und es Menschen damit zur Sache macht. Es gibt einzelne Personen, die es für sich bewusst wählen. Das ist dann ihre Entscheidung. Verwende „es“ aber nie von dir aus, sondern nur, wenn dich jemand ausdrücklich darum bittet.

Was mache ich, wenn ich die Pronomen einer Person nicht kenne und nicht fragen kann?

Dann weich auf den Namen oder neutrale Umschreibungen aus, bis du es weißt. In einer Mail lässt du Herr oder Frau einfach weg und schreibst Vor- und Nachnamen. Im Gespräch über jemanden helfen Formulierungen wie „die Person aus dem Vertrieb“. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt, frag nach oder schau, ob die Pronomen irgendwo angegeben sind, etwa im Profil.

Was heißt es, wenn jemand „sie/er“ oder „alle Pronomen“ angibt?

Die Person ist mit mehreren Formen einverstanden. Manche möchten, dass man abwechselt, damit keine Form überwiegt. Andere meinen schlicht, dass es ihnen egal ist, solange respektvoll über sie gesprochen wird. Wenn du unsicher bist, frag nach, ob es eine Vorliebe gibt. Ein Wechsel mitten im Satz ist meist nicht gemeint, eher innerhalb eines Gesprächs oder von Tag zu Tag.

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