LGBTQIA+ und LSBTIQ*: Die Abkürzung Buchstabe für Buchstabe

Hinter den Buchstaben stehen sehr verschiedene Menschen und Erfahrungen. Hier erfährst du, wofür jeder einzelne steht, welche Varianten es im Deutschen gibt und warum Identität und Orientierung in einem Kürzel landen.

Regenbogenflagge mit sechs Streifen
Die Regenbogenflagge entwarf Gilbert Baker 1978 in San Francisco. Das Original hatte acht Streifen, heute ist die Version mit sechs Streifen in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila üblich.

Wofür LGBTQ steht

LGBTQ ist eine Abkürzung aus dem Englischen. Sie fasst Menschen zusammen, die nicht heterosexuell sind, nicht cis sind oder beides. Jeder Buchstabe steht für eine Gruppe mit eigener Geschichte. Gemeinsam bilden sie das, was oft die queere Community genannt wird.

Die Abkürzung ist mit der Zeit gewachsen. Früher sprach man im Englischen meist von „gay“ als Oberbegriff, dann von LGB, später von LGBT. Heute begegnet dir oft die lange Form LGBTQIA+. Welche Variante jemand nutzt, zeigt, wer ausdrücklich mitgemeint sein soll. Falsch ist keine davon, solange sie respektvoll benutzt wird.

Regenbogenflagge weht über einer Menschenmenge in der Stadt
Foto: Raphael Renter / Unsplash

Was die Buchstaben bedeuten

Was die Buchstaben bedeuten, gehen wir hier Buchstabe für Buchstabe durch:

  • L wie lesbisch: Frauen, die Frauen lieben oder begehren. Dazu gehören cis und trans Frauen, oft auch nicht-binäre Menschen, die sich mit dem Wort wohlfühlen.
  • G wie gay: im Englischen vor allem schwule Männer, also Männer, die Männer lieben. „Gay“ wird dort aber auch allgemein für homosexuell verwendet.
  • B wie bisexuell: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Das heißt weder „halb und halb“ noch, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Pansexuelle Menschen, bei denen das Geschlecht für die Anziehung kaum eine Rolle spielt, finden sich oft hier oder beim Plus wieder.
  • T wie trans: Menschen, deren Geschlecht nicht zu dem passt, das bei der Geburt eingetragen wurde. Mehr dazu im Artikel über trans Menschen.
  • Q wie queer: der breite Sammelbegriff, für manche auch eine eigene Identität. Gelegentlich steht Q zusätzlich für „questioning“, also für Menschen, die sich noch fragen, was auf sie zutrifft. Woher das Wort kommt, erklärt der Artikel Queer: vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung.
  • I wie inter: Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht in die medizinische Norm von männlich und weiblich passen. Mehr dazu im Artikel über Intergeschlechtlichkeit.
  • A wie asexuell und aromantisch: Menschen, die wenig oder keine sexuelle beziehungsweise romantische Anziehung erleben. Manchmal wird das A als „Ally“ gedeutet, also als Verbündete. Das ist umstritten, weil Unterstützer*innen keinen eigenen Buchstaben brauchen, um willkommen zu sein.
  • Plus: steht für alle, die sich in den Buchstaben davor nicht wiederfinden, etwa demisexuelle Menschen oder nicht-binäre Menschen, die sich weder als trans noch als queer verstehen.

Deutsche Varianten: LSBTIQ* und Co.

Im Deutschen gibt es eine eigene Version: LSBTIQ*. Hier steht S für schwul, weil das deutsche Wort nicht mit G beginnt. Die Reihenfolge der hinteren Buchstaben ist oft etwas anders, und statt des Pluszeichens steht häufig ein Sternchen. Es soll zeigen, dass die Aufzählung offen ist. Diese Form begegnet dir vor allem in Behörden, Politik und Wissenschaft und bei vielen Verbänden. Kürzere Formen wie LSBTI oder LSBT sind ebenfalls verbreitet.

Im Alltag, in Medien und in sozialen Netzwerken wird dagegen meist die englische Form benutzt, also LGBTQ, LGBTQ+ oder LGBTQIA+. Inhaltlich ist das dasselbe. Der Unterschied liegt eher in der Wirkung: LSBTIQ* klingt nach Amt, LGBTQIA+ nach Internet. Wer offizielle Texte schreibt, nimmt oft die deutsche Variante, wer mit Jugendlichen spricht, eher die englische.

International gibt es weitere Formen. In Kanada etwa ist eine Variante mit „2S“ für Two-Spirit verbreitet, einen Sammelbegriff indigener Menschen Nordamerikas. Daran sieht man, dass die Abkürzung immer wieder neu verhandelt wird.

Warum Identität und Orientierung zusammen genannt werden

Auf den ersten Blick wirkt die Abkürzung unlogisch. Lesbisch, schwul und bi beschreiben, wen jemand liebt. Trans und inter beschreiben etwas über das eigene Geschlecht oder den Körper. Das sind verschiedene Fragen. Eine trans Frau kann lesbisch sein, hetero oder bi, genau wie jede andere Frau. Warum also ein gemeinsames Kürzel?

Die Antwort liegt vor allem in gemeinsamer Geschichte und Erfahrung:

  • Gemeinsame Kämpfe: Beim Aufstand im Stonewall Inn in New York 1969 waren trans Frauen und Dragqueens wie Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera dabei und prägten die Bewegung danach mit. Daraus entstand die Pride-Bewegung, in Deutschland der Christopher Street Day.
  • Gemeinsame Ablehnung: Wer nicht ins Bild von „Mann liebt Frau, und beide erfüllen ihre Rolle“ passt, erlebt oft ähnliche Formen von Ausgrenzung, Spott und Gewalt. Wer einen Mann mit Nagellack anpöbelt, fragt vorher nicht, ob er schwul oder trans ist.
  • Gemeinsame Orte: Lange gab es für all diese Menschen nur wenige sichere Räume, oft dieselben Bars, Treffpunkte und Beratungsstellen. Schon das Institut für Sexualwissenschaft, das Magnus Hirschfeld 1919 in Berlin gründete, befasste sich mit Homosexualität und mit Menschen, die man heute trans nennen würde.

Es geht also weniger um eine gemeinsame Definition als um ein Bündnis. Die Buchstaben stehen nebeneinander, weil die Menschen dahinter vieles teilen, auch wenn ihre Fragen verschieden sind.

Kritik an der Abkürzung

Die Abkürzung hat Kritiker*innen, und zwar aus ganz verschiedenen Richtungen. Manche finden sie schlicht unpraktisch. Je mehr Buchstaben dazukommen, desto schwerer ist sie zu merken, und im Netz wird sie gern als „Buchstabensalat“ verspottet. Auch in der Community fragen sich manche, ob eine immer längere Liste wirklich mehr Menschen einschließt oder vor allem zeigt, wer noch fehlt.

Ein zweiter Punkt: Die Gruppen unter dem Dach haben nicht immer dieselben Anliegen. Trans Menschen haben oft erlebt, dass ihre Themen in großen Organisationen hinten anstehen, obwohl das T mitgenannt wird. Inter Menschen kritisieren teils, dass sie in einem Atemzug mit Orientierungen und Identitäten genannt werden. Bei ihnen geht es oft vor allem um körperliche Selbstbestimmung, etwa um Eingriffe im Kindesalter ohne eigene Zustimmung.

Und es gibt eine dritte Richtung. Einzelne Gruppen, vor allem im englischsprachigen Raum, wollen das T ganz abtrennen. Sie argumentieren, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität hätten nichts miteinander zu tun, und die Interessen könnten sich widersprechen. Die meisten großen Verbände, auch im deutschsprachigen Raum, halten am gemeinsamen Dach fest. Hinter der Frage nach den Buchstaben steht hier also eine echte politische Debatte.

Welche Variante du am besten benutzt

Eine einzige richtige Form gibt es nicht. Ein paar Faustregeln helfen trotzdem:

  • Nimm die Form, die zum Zusammenhang passt. Für ein Schreiben an eine Behörde passt LSBTIQ*, für einen Post in sozialen Netzwerken eher LGBTQ+.
  • Sei genau, wenn es um eine bestimmte Gruppe geht. Ein Angebot nur für schwule Männer ist kein Angebot für alle, und eine Studie über lesbische Frauen sagt nichts über trans Menschen.
  • Schreib nicht LGBTQIA+, wenn du in Wirklichkeit nur über Schwule und Lesben sprichst. Das wirkt wie ein Etikett ohne Inhalt.
  • Wenn du über eine einzelne Person sprichst, frag nicht nach ihrem Buchstaben. Nutze das Wort, das sie selbst verwendet.

Viele umgehen die Frage, indem sie einfach „queer“ sagen. Das ist kürzer, passt aber nicht für alle, weil nicht jede Person das Wort für sich mag. Wenn du die Begriffe rund um Geschlecht genauer sortieren willst, hilft der Bereich Grundlagen. Die Symbole der Community stellt der Artikel über Pride-Flaggen vor. Wer weitere Begriffe sucht, wird beim Queer Lexikon fündig.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Gehören heterosexuelle trans Menschen auch zu LGBTQ?

Ja. Das T in der Abkürzung steht für trans Menschen, ganz unabhängig davon, wen sie lieben. Eine trans Frau, die mit einem Mann zusammen ist, gehört also genauso dazu wie eine lesbische cis Frau. Ob sie sich selbst als Teil der Community sieht, ist allerdings ihre Entscheidung. Manche fühlen sich dort zu Hause, andere leben ihr Leben lieber ohne dieses Etikett.

Seit wann gibt es die Abkürzung LGBT?

Ein genaues Datum gibt es nicht. Im Englischen sprach man lange von „gay“ als Oberbegriff, dann von „gay and lesbian“. Nach und nach setzten sich LGB und später LGBT durch, weil bisexuelle und trans Menschen ausdrücklich sichtbar sein wollten. Verbreitet hat sich LGBT ab den 1990er Jahren. Die längeren Formen mit Q, I und A sind vor allem in den letzten Jahren üblich geworden.

Was bedeutet LGBTQ-freundlich?

Wenn ein Café, ein Hotel oder ein Unternehmen sich LGBTQ-freundlich nennt, will es zeigen, dass queere Menschen dort willkommen sind und keine Ablehnung befürchten müssen. Ein geschützter Begriff ist das nicht, jede Firma kann ihn benutzen. Ob es stimmt, merkst du eher am Verhalten als am Aufkleber: geschultes Personal, Formulare mit mehr als zwei Optionen und eine klare Reaktion auf Beleidigungen.

Was ist ein Ally?

Ein Ally, auf Deutsch etwa Verbündete*r, ist eine Person, die selbst nicht zur Gruppe gehört, sie aber unterstützt. Bei LGBTQ sind das meist heterosexuelle cis Menschen. Ein Ally zu sein, heißt mehr, als eine Regenbogenflagge zu teilen: zuhören, Namen und Pronomen respektieren und bei abwertenden Sprüchen widersprechen. Wie das konkret aussehen kann, beschreibt der Artikel über Allys im Alltag.

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