Recht
Der dgti-Ergänzungsausweis: Name, Pronomen und Foto auf einer Karte
Der Ergänzungsausweis der dgti ist kein amtliches Dokument, hilft aber vielen trans und nicht-binären Menschen im Alltag. Hier steht, was draufsteht, wann er nützt und wo er nicht weiterhilft.
Was der Ergänzungsausweis ist
Der Ergänzungsausweis ist ein Zusatzdokument, das die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität herausgibt, kurz dgti e.V. Er zeigt den Namen, den du im Alltag nutzt, deine Pronomen und ein aktuelles Foto. Damit kannst du im Alltag zeigen, wie du heißt und wie du angesprochen werden willst, auch wenn im amtlichen Ausweis noch ein anderer Name oder ein älteres Foto zu sehen ist.
Wichtig vorweg: Der dgti-Ergänzungsausweis ist kein amtlicher Ausweis. Er ersetzt weder Personalausweis noch Reisepass und ändert an deinem Eintrag im Register nichts. Er wird aber von vielen Stellen anerkannt. Viele trans und nicht-binäre Menschen nutzen ihn seit Jahren, schon zu Zeiten des alten Transsexuellengesetzes, als ein Verfahren lange dauern konnte.
Der Name sagt es schon: Der Ausweis ergänzt dein amtliches Dokument. Wer sich ausweisen muss, zeigt in der Regel beide zusammen. Das amtliche Dokument belegt deine Identität, der Ergänzungsausweis erklärt, warum Name oder Aussehen nicht zum Foto im Ausweis passen.
Was auf der Karte steht
Im Mittelpunkt stehen drei Angaben:
- Name: der Name, mit dem du angesprochen werden willst, also der, den du im Alltag wirklich nutzt.
- Pronomen: wie andere über dich sprechen sollen. Was Pronomen sind und welche es gibt, erklärt ein eigener Artikel.
- Foto: ein aktuelles Bild, das zeigt, wie du heute aussiehst.
Welche weiteren Angaben auf der Karte stehen und wie sie genau aussieht, erfährst du direkt bei der dgti. Für dich zählt vor allem eines: Name, Pronomen und Foto auf einer Karte geben dir etwas in die Hand, wenn jemand zweifelt, ob das wirklich du bist.
Wofür er nach dem SBGG noch nützt
Seit November 2024 kannst du Vornamen und Geschlechtseintrag per Erklärung beim Standesamt ändern. Wie das geht, steht im Artikel zum Selbstbestimmungsgesetz. Brauchst du den Ergänzungsausweis dann überhaupt noch? Für viele ja, vor allem in drei Situationen.
- In der Wartezeit. Zwischen Anmeldung und Erklärung liegen mindestens drei Monate. Danach dauert es, bis neuer Ausweis, Bankkarte und Versichertenkarte da sind. In dieser Zeit lebst du vielleicht schon mit deinem neuen Namen, deine Papiere aber noch nicht.
- Wenn du den Eintrag nicht ändern willst. Manche Menschen möchten ihren Eintrag (noch) nicht ändern, aus praktischen, familiären oder beruflichen Gründen. Andere sind sich bei der Wahl zwischen den Einträgen noch nicht sicher. Der Ausweis hilft, ohne dass du dich festlegen musst.
- Wenn du nur den Namen ändern willst. Eine Vornamensänderung allein ohne neuen Eintrag regelt das SBGG nicht. Im Alltag kann der Ergänzungsausweis diese Lücke zum Teil schließen. Rechtlich ändert er nichts, mehr dazu im Artikel zur Vornamensänderung.
Stell dir eine typische Situation vor: Du holst ein Paket in der Filiale ab, und auf dem Ausweis steht noch dein alter Name. Mit dem Ergänzungsausweis kannst du zeigen, dass beide Namen zur selben Person gehören, ohne lange Erklärungen. Ähnlich kann es bei einer Fahrkartenkontrolle, in der Arztpraxis oder an der Uni laufen. Ob die Stelle ihn akzeptiert, entscheidet sie allerdings selbst.
So bekommst du ihn
Den Ergänzungsausweis beantragst du bei der dgti. Alle aktuellen Informationen und das Antragsformular findest du auf der Website der dgti. Grob läuft es so:
- Du füllst den Antrag mit deinem Namen und deinen Pronomen aus.
- Du schickst ein aktuelles Foto mit, das dich so zeigt, wie du heute aussiehst.
- Du zahlst eine Gebühr. Wie hoch sie gerade ist, steht bei der dgti.
- Die dgti stellt den Ausweis aus und lässt ihn dir zukommen.
Wie lange die Bearbeitung dauert und welche Unterlagen genau gefragt sind, kann sich ändern. Schau deshalb vor dem Antrag auf die aktuelle Seite der dgti. Wenn sich später Name, Pronomen oder Aussehen ändern, kannst du dort nachfragen, wie du eine neue Karte bekommst.
Wo der Ausweis an Grenzen stößt
So nützlich der Ausweis ist: Er hat klare Grenzen, und die solltest du kennen.
- Kein amtliches Dokument. Keine Stelle ist verpflichtet, ihn anzuerkennen. Behörden, Banken und Unternehmen entscheiden selbst, ob sie ihn akzeptieren.
- Kein Ersatz für den Ausweis. Wo ein amtlicher Ausweis vorgeschrieben ist, etwa bei Behörden oder beim Abschluss bestimmter Verträge, zählt weiterhin nur das amtliche Dokument.
- Im Ausland nur eingeschränkt. Außerhalb Deutschlands kennt den Ausweis kaum jemand. Bei Grenzkontrollen zählt allein der Reisepass oder Personalausweis. Ob der Ergänzungsausweis unterwegs hilft, hängt stark vom Land und von der Situation ab. Tipps für unterwegs stehen im Artikel zum Reisen.
- Keine Änderung deiner Daten. Verträge, Konten und Register bleiben, wie sie sind. Dafür brauchst du eine Änderung nach dem SBGG.
Ein Punkt wird oft übersehen: Der Ausweis selbst verrät etwas über dich. Wer ihn sieht, kann daraus schließen, dass du trans, nicht-binär oder inter bist. In einer freundlichen Arztpraxis ist das kein Problem. In einer Situation, in der du dich unsicher fühlst, vielleicht schon. Du entscheidest in jedem Moment selbst, ob du ihn zeigst oder nicht.
Sieh den Ausweis also als Brücke, nicht als Ziel. Er macht den Alltag leichter, solange Papiere und Leben nicht zusammenpassen. Die eigentliche Änderung ersetzt er nicht.
Tipps für den Alltag mit der Karte
Trag den Ergänzungsausweis immer zusammen mit deinem amtlichen Ausweis bei dir. Zeig ihn ruhig und selbstverständlich vor, ohne dich zu rechtfertigen. Manche Menschen an Schaltern kennen ihn, andere haben ihn noch nie gesehen. Ein kurzer Satz reicht oft: „Das ist ein Ergänzungsausweis, er zeigt meinen aktuellen Namen.“
Wenn jemand den Ausweis nicht akzeptiert oder dich trotzdem mit altem Namen anspricht, bleib sachlich. Frag nach einer Ansprechperson und notiere dir, was passiert ist. Wiederholtes, absichtliches Misgendering musst du nicht hinnehmen. Bei hartnäckigen Problemen helfen Beratungsstellen oder die dgti selbst.
Behandle die Karte wie einen Ausweis. Bewahr sie sicher auf und melde dich bei der dgti, wenn sie verloren geht. Und halte sie aktuell: Wenn sich dein Aussehen stark verändert oder du einen anderen Namen nutzt, hilft ein altes Foto oder ein überholter Name niemandem. Gerade während einer Transition lohnt es sich, ab und zu zu prüfen, ob die Karte noch zu dir passt.
Wenn du deinen Eintrag und deinen Namen schon geändert hast, kann der Ausweis trotzdem noch eine Weile praktisch sein, bis wirklich alle Stellen umgestellt haben. Was dabei zu tun ist, zeigt die Checkliste zum Anpassen von Ausweisen und Zeugnissen.
Dieser Text gibt den Stand von November 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem Fall helfen Beratungsstellen weiter. Was es sonst rechtlich zu wissen gibt, steht gesammelt im Bereich Recht und Behörden.
Häufige Fragen
Wer kann einen Ergänzungsausweis beantragen?
Der Ausweis richtet sich an trans, nicht-binäre und intergeschlechtliche Menschen, deren amtliche Papiere nicht oder noch nicht zu Name und Aussehen passen. Welche Voraussetzungen genau gelten und welche Unterlagen du einreichen musst, legt die dgti fest. Ob es für Minderjährige besondere Regeln gibt, etwa zur Zustimmung der Eltern, erfährst du ebenfalls direkt dort. Die aktuellen Bedingungen stehen auf ihrer Website.
Kann ich mit dem Ergänzungsausweis ein Konto eröffnen?
Für Kontoeröffnungen und andere Vorgänge, bei denen das Gesetz einen amtlichen Ausweis verlangt, reicht der Ergänzungsausweis allein nicht. Du brauchst dann deinen Personalausweis oder Reisepass. Der Ergänzungsausweis kann aber helfen zu erklären, warum Name oder Foto nicht zu deinem heutigen Auftreten passen. Viele zeigen beide Dokumente einfach zusammen vor.
Lohnt sich der Ergänzungsausweis, wenn ich die Änderung schon angemeldet habe?
Oft ja. Nach der Anmeldung beim Standesamt vergehen mindestens drei Monate bis zur Erklärung, danach noch einige Wochen bis zum neuen Ausweis. Wer in dieser Zeit schon mit neuem Namen lebt, spart sich mit der Karte manche Erklärung. Ob sich Kosten und Aufwand für dich rechnen, hängt davon ab, wie oft du dich im Alltag ausweisen musst.
Muss ich den Ergänzungsausweis überall vorzeigen?
Nein. Ob und wann du ihn zeigst, entscheidest du selbst. Viele nutzen ihn nur, wenn Name oder Foto im amtlichen Ausweis zu Rückfragen führen könnten, etwa am Schalter oder bei einer Kontrolle. In anderen Situationen behalten sie ihn lieber in der Tasche. Niemand kann von dir verlangen, ihn vorzulegen, denn er ist ein freiwilliges Zusatzdokument.
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- Queere Anlaufstellen in deiner Nähe findest du im Überblick zu Beratung und Selbsthilfe.