Repräsentation in den Medien: Wie trans Menschen gezeigt werden

Viele Menschen kennen trans Personen vor allem aus Film, Fernsehen und Schlagzeilen. Wie diese Bilder aussahen, was sich verändert hat und worauf faire Berichterstattung achtet, liest du hier.

Warum Bilder auf dem Bildschirm so viel prägen

Wer im eigenen Umfeld keine trans Person kennt, bildet sich ein Bild aus dem, was Film, Serien und Nachrichten zeigen. Medien sind für viele Menschen also die erste und manchmal einzige Begegnung mit dem Thema. Das gilt auch für trans Menschen selbst: Viele erzählen, dass sie als Jugendliche lange keine Figur gesehen haben, in der sie sich wiedererkennen konnten, oder nur solche, über die gelacht wurde.

Repräsentation bedeutet deshalb mehr als „vorkommen“. Es geht darum, wie trans Menschen in den Medien gezeigt werden, wer ihre Geschichten erzählt und ob sie als ganze Menschen erscheinen oder nur als Thema. Der Bereich Wissen ordnet solche kulturellen Fragen in größere Zusammenhänge ein.

Pointe, Täter, Opfer: alte Muster

Lange kamen trans Figuren in Film und Fernsehen vor allem in drei Rollen vor. Die erste ist die Witzfigur: ein Mann im Kleid, über den das Publikum lacht, oder eine Szene, in der jemand vor Ekel würgt, weil er erfährt, dass seine Flirtpartnerin trans ist. Solche Gags tauchten selbst in großen Kinokomödien der 1990er Jahre auf.

Die zweite Rolle ist die des Täters. In Klassikern wie Hitchcocks „Psycho“ von 1960 oder „Das Schweigen der Lämmer“ von 1991 sind Mörder mit dem Tragen von Frauenkleidung oder dem Wunsch nach einem anderen Körper verbunden. Die Filme sagen nicht ausdrücklich, dass ihre Figuren trans sind, aber sie verknüpfen Geschlechterwechsel mit Bedrohung, und genau das blieb hängen.

Die dritte Rolle ist das tragische Opfer: trans Figuren, die leiden, scheitern, sterben. Solche Geschichten können wichtig sein, weil Gewalt gegen trans Menschen real ist. Wenn sie aber fast die einzigen sind, entsteht der Eindruck, ein trans Leben könne nur traurig enden. Hinzu kam lange, dass trans Rollen meist mit cis Schauspieler*innen besetzt wurden, auch dann, wenn ein Film eine echte Lebensgeschichte erzählte, etwa die von Lili Elbe.

Was „Disclosure“ sichtbar macht

Wie sehr diese Muster wirken, zeigt die Dokumentation „Disclosure“ von 2020. Regisseur*in Sam Feder hat darin Ausschnitte aus über hundert Jahren Film- und Fernsehgeschichte zusammengestellt, ausführende Produzentin war die Schauspielerin Laverne Cox. Fast alle, die vor der Kamera sprechen, sind selbst trans: Schauspieler*innen, Autor*innen, Filmschaffende.

Sie schauen sich die alten Szenen gemeinsam an und erzählen, was diese Bilder mit ihnen gemacht haben. Manche Szene, die beim ersten Sehen harmlos wirkt, bekommt dadurch eine andere Bedeutung. Die Dokumentation verurteilt dabei nicht pauschal. Sie zeigt auch, dass einzelne Figuren trotz Klischees für manche trans Zuschauer*innen ein erstes Zeichen waren, dass es Menschen wie sie überhaupt gibt. „Disclosure“ erschien bei Netflix und ist ein guter Einstieg, wenn du verstehen willst, warum das Thema so viele bewegt.

„Pose“ und andere Fortschritte

Seit den 2010er Jahren hat sich einiges getan. Trans Rollen werden häufiger mit trans Schauspieler*innen besetzt, und es gibt mehr Geschichten, in denen trans Figuren nicht nur ein Problem sind, sondern Freundschaften, Berufe, Liebe und Humor haben. Laverne Cox wurde mit der Gefängnisserie „Orange Is the New Black“ ab 2013 international bekannt.

Ein Meilenstein war die US-Serie „Pose“, die 2018 startete. Sie spielt in der Ballroom-Szene im New York der späten 1980er und 1990er Jahre und erzählt von Schwarzen und Latina trans Frauen, ihren Wahlfamilien und dem Leben in Zeiten von Aids. Mehrere Hauptrollen spielen trans Schauspielerinnen, und auch hinter der Kamera arbeiteten trans Menschen mit. Für viele Zuschauer*innen war es das erste Mal, dass trans Figuren im Mittelpunkt standen und nicht am Rand. Mehr zur Ballroom-Kultur steht im Artikel über Drag und Ballroom.

Auch im deutschsprachigen Raum tauchen trans Figuren häufiger in Serien, Krimis und Jugendformaten auf. Die Qualität schwankt. Neben gelungenen Rollen gibt es weiter Drehbücher, in denen die Transition die einzige Eigenschaft einer Figur bleibt.

Nachrichten: wo Berichte immer noch danebenliegen

In den News ist das Bild gemischt. Viele Redaktionen berichten inzwischen sorgfältig. Trotzdem fallen bestimmte Fehler immer wieder auf: Formulierungen wie „ein Mann, der sich als Frau fühlt“, Überschriften mit „Geschlechtsumwandlung“, Fragen nach Genitalien in Interviews oder Vorher-Nachher-Bilder als Aufmacher. Oft wird über trans Menschen gesprochen, ohne dass sie selbst zu Wort kommen.

Ein anderes Problem ist die Auswahl. Wenn über trans Menschen fast nur im Zusammenhang mit Streit, Kriminalität oder Skandalen berichtet wird, entsteht ein verzerrtes Bild. Der gewöhnliche Alltag, die trans Lehrerin, der trans Handwerker, schafft es selten in die Nachrichten. Bei umstrittenen Themen kommt manchmal ein falsches Gleichgewicht hinzu, wenn eine Außenseiterposition so viel Raum bekommt wie der fachliche Konsens. Orientierung bietet der Pressekodex des Deutschen Presserats, der unter anderem Diskriminierung wegen des Geschlechts ablehnt und den Schutz der Persönlichkeit betont. Welche Wörter heute als überholt gelten, erklärt die Seite zu veralteten Begriffen.

Tipps für Journalist*innen

Gute Berichterstattung über trans Menschen ist keine Geheimwissenschaft. Ein paar Grundregeln reichen für die meisten Texte:

  • Nutze den aktuellen Namen und die Pronomen, die die Person nennt, auch für die Zeit vor ihrer Transition.
  • Verzichte auf den früheren Namen. Deadnaming verletzt und kann Menschen gefährden. Das Offenbarungsverbot im Selbstbestimmungsgesetz schützt frühere Vornamen ausdrücklich.
  • Zeig keine Vorher-Fotos ohne ausdrückliche Zustimmung, und frag dich, ob sie für die Geschichte überhaupt nötig sind.
  • Frag nicht nach Operationen oder Genitalien, wenn es für das Thema keine Rolle spielt. Bei cis Menschen würdest du das auch nicht tun.
  • Erwähne, dass jemand trans ist, nur, wenn es für die Geschichte relevant ist.
  • Lass trans Menschen selbst sprechen, auch als Fachleute zu ihren eigentlichen Themen und nicht ausschließlich über ihre Transition.

Für Hintergrundgespräche und Einordnungen lohnt sich der Kontakt zu Verbänden wie dem Bundesverband Trans*, der Anfragen aus Redaktionen kennt.

Social Media: eigene Stimmen, neue Probleme

Social Media hat die Lage grundlegend verändert. Trans Menschen müssen nicht mehr warten, bis eine Redaktion sie fragt. Sie erzählen selbst, auf Video, im Podcast, in Posts. Für viele junge Menschen sind solche Kanäle der Ort, an dem sie zum ersten Mal Worte für ihre Gefühle finden und erleben, dass ein gutes Leben als trans Person möglich ist.

Die Kehrseite: Wer sichtbar ist, wird angreifbar. Trans Creator*innen berichten von Beleidigungen, Drohungen und gezielten Kampagnen. Algorithmen belohnen Aufregung, und Clips werden aus dem Zusammenhang gerissen und gegen ihre Urheber*innen verwendet. Manche berichten außerdem, dass ihre Beiträge zu trans Themen schlechter ausgespielt oder gesperrt werden, ohne dass sie erfahren, warum. Die Regeln der Plattformen ändern sich oft und sind von außen schwer zu durchschauen. Wie du dich schützen kannst und was du bei Angriffen tun kannst, erklärt der Artikel zu Hass im Netz. Wie Algorithmen und Bildgeneratoren alte Klischees weitertragen, steht im Artikel über künstliche Intelligenz und Geschlecht.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Dürfen cis Schauspieler*innen trans Rollen spielen?

Darüber wird viel diskutiert. Kritiker*innen sagen, trans Schauspieler*innen bekämen ohnehin kaum Rollen, und wenn cis Darsteller*innen trans Frauen spielen, entstehe leicht der Eindruck, es handle sich um verkleidete Männer. Andere verweisen darauf, dass Schauspiel immer heißt, jemand anderen darzustellen. Viele Produktionen setzen inzwischen bewusst auf trans Besetzung, weil sie authentischer wirkt und trans Talenten eine Chance gibt. Ein striktes Verbot fordern dagegen nur wenige.

Wo kann ich mich über einen herabwürdigenden Bericht beschweren?

Bei Zeitungen, Zeitschriften und deren Onlineangeboten kannst du dich beim Deutschen Presserat beschweren. Das kann jede Person, ohne Kosten. Für öffentlich-rechtliche Sender gibt es Programmbeschwerden über die Rundfunkräte, bei privaten Sendern sind die Landesmedienanstalten zuständig. Oft hilft auch eine sachliche Nachricht direkt an die Redaktion. Viele Medienhäuser korrigieren Begriffe oder Namen, wenn man sie freundlich und konkret auf einen Fehler hinweist.

Woran erkenne ich eine gute trans Figur in Film oder Serie?

Ein paar Fragen helfen: Hat die Figur eigene Ziele, Freundschaften und Schwächen, oder besteht sie nur aus ihrer Transition? Wird sie von einer trans Person gespielt, und haben trans Menschen am Drehbuch mitgewirkt? Ist ihr Trans-Sein die Pointe, oder darf sie auch lustig sein, ohne dass über sie gelacht wird? Und überlebt sie die Geschichte? Gute Repräsentation heißt nicht, dass die Figur perfekt sein muss.

Ist mehr Sichtbarkeit für trans Menschen immer gut?

Nicht automatisch. Sichtbarkeit kann Verständnis schaffen, Vorbilder bieten und Isolation verringern. Sie macht aber auch angreifbar, und in manchen Phasen ging mehr Aufmerksamkeit mit mehr Anfeindungen einher. Viele trans Menschen wollen deshalb gar nicht öffentlich sichtbar sein, sondern einfach in Ruhe leben. Beides verdient Respekt. Entscheidend ist, dass Menschen selbst bestimmen, ob und wie viel sie von sich zeigen.

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